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  • Kritik: Der Gipfel des "Gran Paradiso"

    Eigentlich hat Mark überhaupt keine Chance. Nach einem schweren Unfall sitzt der ehemals begeisterte Bergsteiger im Rollstuhl, ohne Aussicht jemals wieder gehen zu können.

    Der Gipfel des "Gran Paradiso" scheint für den Jugendlichen, der sich in eine imaginäre "Star Trek"-Welt voller feindlicher Klingonen zurückgezogen hat, unerreichbar. Nur wenn er in seinem schäbigen Zimmer vom schneebedeckten Grat des Viertausenders träumt, entflieht er für einen kurzen Augenblick seinem bedrückenden Schicksal.

    Am Tiefpunkt der Krise bewahrt die junge Physiotherapeutin Lisa (Regula Grauwiller, "Schizo") ihren neuen Schützling nur durch ein unmöglich scheinendes Versprechen vom Selbstmord: "Ich bring Dich auf den Gran Paradiso", schreit sie dem zutiefst verletzten und mit seinem Schicksal hadernden Mark (Ken Duken, "Schlaraffenland") ins Gesicht. Noch ahnt Lisa nichts von den Schwierigkeiten des Projekts, für das sie dann schließlich drei Häftlinge anheuert: Der Trip zum "Gran Pardiso" wird für das explosive Trio aus Gregor Törzs ("Alles Bob!"), Frank Giering ("Absolute Giganten") und den beeindruckenden Leinwand-Newcomer Erhan Emre zur persönlichen Bewährung.

    Auf die Rolle des Mark bereitete sich der erst 21-jährige Ken Duken wochenlang akribisch vor: "Nach sechs Wochen konnte ich dann die Aufmerksamkeit endlich vom Rollstuhl wegnehmen und mich ganz der Rolle widmen." Gelungen ist dem wegen seines Aussehens wiederholt als deutscher Brad Pitt bezeichneten Mädchenschwarm eine rührende und zugleich kraftstrotzende Persönlichkeitsstudie, die bewusst auf Mitleid heischende Effekte verzichtet.

    Inspiriert wurden der junge Hamburger Nachwuchsregisseur Miguel Alexandre und sein Drehbuchautor Georg Heinzen zu dem feinfühligen Alpen-Epos mit großartigen Landschaftsaufnahmen durch einen Zeitungsbericht über spezielle Resozialisierungsprogramme durch therapeutische Bergtouren. Nachdem sie herausgefunden hatten, dass solche Bergtouren auch für Querschnittsgelähmte keineswegs ein Traum bleiben müssen, entwickelte das Team die rührende Geschichte von Mark und seinem großen Traum.

    "Wir wollten mit dem Projekt "Gran Paradiso" bewusst einen Kontrast zu den vielen arg intellektuellen deutschen Kinoproduktionen setzen", erklärt Alexandre im Gespräch seine Motivation für das sensible und mit feinen zwischenmenschlichen Tönen spielende Werk. Der 32-jährige, der schon an der Münchner Filmhochschule und als TV- Regisseur ("Der Pakt", "Macht") zahlreiche Regiepreise ("Goldener Löwe", "Telestar") gewann, setzt bewusst aufs emotionale Kino: "Große Gefühle auf der Leinwand - das war schon immer mein Ding."

    Die technische Perfektion von Alexandres Kinodebüt beeindruckt. Doch der Film lebt in erster Linie von Gefühlen und Stimmungen, durch deren Höhen und Tiefen Alexandre den Zuschauer mit großer Sicherheit leitet - wohltuend auflockernde Überraschungseffekte inklusive. Das erste abendfüllende Leinwandepos des jungen Hamburgers ist ein gelungener Film über zarte Hoffnung und tiefe Verzweiflung, über die Liebe und lodernde Leidenschaft, über die Sehnsucht nach dem Leben und nicht zuletzt über einen zugleich wunderschönen und Angst einflößenden Berg.

    Andreas Framke, dpa

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