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  • Kritik: Depressiver Philosophielehrer im Sexrausch

    Neuerdings kann man sich im Kino auf nichts mehr verlassen. Noch nicht einmal darauf, daß ein erotischer Film aus Frankreich den Zuschauern Lustgewinn schenkt.

    Hollywood kann und will das sowieso nicht, deutsche Produktionen malträtieren mit erosfeindlichen Beziehungskrisen, die Italiener lassen Entsprechendes zu vulgär, die Spanier zu zotig und die Skandinavier bei aller Offenherzigkeit zu protestantisch verquält geraten. Aber unsere sinnenfrohen Nachbarn haben für die Freuden der körperlichen Liebe traditionell ein besonderes Leinwandtalent.

    Um so betrüblicher, daß Jungfilmer Cedric Kahn mit seinem Streifen "Meine Heldin", der am 17. Juni in die deutschen Kinos kommt, diesem guten Ruf ernstlich Schaden zufügt. Denn die Geschichte des von Depressionen heimgesuchten, von seiner schönen Frau verlassenen Philosophielehrers Martin, der in den sexuellen Bann der sehr jungen Cecilia gerät, ist nichts mehr als eine mißglückte Verfilmung des berühmten Romans "La Noia" von Alberto Moravia.

    Was den 32jährigen Franzosen, in seinem Land als große Kinohoffnung gehandelt, dazu getrieben hat, ausgerechnet eine - aktualisierte - Geschichte des erotomanen römischen Salonkommunisten zu realisieren, bleibt schleierhaft.

    Auf die im Presseheft zu dem Film gestellte Interviewfrage: "Kann man aus Ihrer Arbei Sinn und Zweck herausdestillieren?", antwortet Kahn mit entwaffnender Offenheit: "Ich fürchte, nein". Selbst das wäre vielleicht noch erträglich, hätte der Filmemacher mit seiner Arbeit die zwar belanglose, aber erotisch prickelnde Variation einer "Amour fou" in französischer Tradition auf die Leinwand gebracht. Davon kann aber trotz etlicher Sexszenen zwischen der drallen Sophie Guillemin als Cecilia und dem nervös agierenden Charles Berling als Martin keine Rede sein.

    Auch in dieser Beziehung bleibt Kahn die Erklärung nicht schuldig: "Genaugenommen sind die vielen Beischlafszenen des Films nicht auf erotischen Mehrwert aus, sondern werden fast kalt, gewissermaßen unbeteiligt gezeigt." Fragt sich nur, wen das eigentlich interessieren soll. Warum präsentiert Kahn immer wieder den sinnlichen Körper der 20jährigen Kinodebütantin Guillemin, wenn nicht zur Befriedigung der Schaulust männlicher Zuschauer? Solch niedere Absichten würde der Regisseur wohl strikt zurückweisen, aber andere Motive werden einfach nicht ersichtlich.

    Wenn der von seiner unglücklichen Leidenschaft genesende Martin am Ende des zähflüssigen Films nach einem mißglückten Selbstmordversuch sich zum Weiterleben ermuntert, dann ist das zwar von großer Banalität, aber immer noch die verständlichste Aussage des Streifens. Kahn wollte vielleicht in die Fußstapfen von Bernardo Bertoluccis "Der letzte Tango von Paris" treten. Das hätte er sich, den Zuschauern und vor allem der so bemitleidenswert exhibitionistisch vorgeführten jungen Hauptdarstellerin besser ersparen sollen.

    Wolfgang Hübner, AP

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