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  • Kritik: Depp und Pacino in "Donnie Brasco":

    Hamburg (dpa) - Der eine ist ein alternder Auftragskiller, der andere ein jung-aufstrebender FBI-Agent, der sich in New Yorker Mafiakreise einschleust. Die beiden werden Freunde. So einfach und so kompliziert ist die Geschichte, aus der mit großen Schauspielern ein großer Film wird. "Donnie Brasco", so der Deckname des Agenten, läuft mit Al Pacino und Johnny Depp in den Hauptrollen an diesem Donnerstag in den deutschen Kinos an.

    Der Film basiert auf der Autobiographie des Joseph D. Pistone, der mit seinen Ermittlungen in den 70er Jahren mehr als 200 Mafia- Mitglieder vor den Kadi brachte. Daß dennoch kein Agententhriller der ganz normalen Machart daraus wurde, ist nicht nur dem neugierig- unverbrauchten Blick des britischen Regisseurs Mike Newell ("Vier Hochzeiten und ein Todesfall") zu verdanken, sondern vor allem dem grandiosen Schauspielerduo Pacino/Depp.

    Depp, im 70er-Look mit schmierig zurückgekämmtem Haar und dunkler Goldrandbrille, gibt ein subtiles Bild des jungen Agenten: In der "Familie" der Gangster fühlt er sich gar nicht so unwohl, aber unter dem fortschreitenden Druck, selbst mit heiler Haut aus der Geschichte rauszukommen, versteinert er innerlich immer mehr. Nur noch in der Freundschaft zu Killer Lefty spürt er Reste von Wärme. Der Weg zurück zu seiner Frau und seiner Familie, zum bürgerlichen Leben, wird ihm durch die neue Identität mehr und mehr versperrt. In diesem treffend geschilderten Dilemma sind dem Film dann auch einige kitschige Ausrutscher zu verzeihen - etwa wenn der meist abwesende Vater sich bei Stippvisiten zu Hause um die Zuneigung seiner kleinen Töchter bemüht.

    Noch viel mehr aber ist es Pacino, der den Kleinkriminellen Lefty mit Größe in seinem Scheitern porträtiert. Denn es ist keineswegs die erste Mafia-Riege des "Paten" oder die Mittelklasse der "GoodFellas", in der sich die Story abspielt - es ist die untere Schicht der kleinen Gauner, die für Großen die Drecksarbeit erledigen müssen. Und die dabei - wie Lefty - auch in 30 Jahren kein Stück die kriminelle Karriereleiter nach oben geklettert sind. "Mafia-Soldaten" nennt Regisseur Mike Newell diese Garde.

    Pacino, der in seiner jüngsten Eigenregie-Arbeit "Looking for Richard" noch recht selbstverliebt den Shakespeare-König mimte, ist als Lefty in der Mischung aus Härte, Resignation und Verletzlichkeit anrührend im besten Sinne - wenn er mit unsicherem Lächeln sein Scheitern bei der Erziehung des drogensüchtigen Sohns eingesteht, im knallroten Nicky-Trainingsanzug Tierfilme guckt, oder bei Donnie zunächst mit großspurigen Gesten und Sprüchen den einflußreichen Mafioso markieren will: "Mann, piß die Wand an!"

    Ungewöhnliche Männerfreundschaften, die sich über die Grenzen der Legalität hinweg entwickeln, sich in Lügen verstricken und die Frage nach Moral, Aufrichtigkeit und Loyalität stellen, sind im Kino derzeit angesagt: Auch im Freiheitskämpfer-Drama "Michael Collins" und vor allem in "Vertrauter Feind" mit Brad Pitt als IRA-Kämpfer und Harrison Ford als Polizist geht es um das Thema. Wo Alan Pakulas "Vertrauter Feind" jedoch zeitweise im fragwürdigen Pathos brutaler Befreiungskämpfe schwelgt, steht in "Donnie Brasco" stets die persönliche Beziehung der so unterschiedlichen Männer im Mittelpunkt. Daß ihre Freundschaft kein Happyend haben kann, ahnt man von Anfang an. Doch man folgt ihnen trotzdem mit bangem Hoffen - bis zum Schluß.

    Von Andrea Barthelemy, dpa

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