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  • Kritik: "Departed" zeigt Scorsese in Höchstform

    So einen Erfolg hat Hollywoods Altmeister Martin («Marty») Scorsese noch nie gehabt: Sein neues Gangsterdrama «The Departed - Unter Feinden» bescherte dem 64-jährigen Amerikaner in seiner Heimat mit fast 117 Millionen Dollar das beste Kassenergebnis seiner Karriere.

    Der Thriller mit Hollywoodstars wie Leonardo DiCaprio, Jack Nicholson und Matt Damon dürfte dem bereits fünf Mal nominierten Regisseur endlich auch den verdienten Regie-Oscar einbringen, prophezeien US-Kritiker - und das zu recht.

    «The Departed» ist ein cineastisches Feuerwerk von atemberaubendem Tempo, brillanten Darstellungen ungewöhnlich vieler großer Stars, selbst in Nebenrollen, knallharten Dialogen und der großartigen Kameraführung des Deutschen Martin Ballhaus. Der jüngste Scorsese ist nach einhelliger Kritikermeinung der beste Scorsese seit «Casino» (1995) und ein würdiger Nachfolger von «Good Fellas - Drei Jahrzehnte in der Mafia» (1990), seinem letzten Genrefilm.

    «The Departed» läuft am Donnerstag (7. Dezember) in Deutschland an. In den USA und Kanada hält er sich auch nach knapp zwei Monaten noch auf Platz 15 der Kino-Charts. Trotz der Länge von zweieinhalb Stunde lässt die Story aus Bostons Mafiamilieu und - parallel dazu - dem Hauptquartier der Bostoner nicht einen Moment entspannen. Immer wieder überrascht der Meisterregisseur mit einer neuen Wende des dramatischen Geschehens, treibt den Puls durch grausame Gewalt hoch und schweift dann kurz zu Betrachtungen über moralische Grauzonen ab.

    Jack Nicholson, der erstmals in seiner Laufbahn mit Scorsese zusammenarbeitet, spielt den ruchlosen Mafiagangster Frank Costello, der von dem Polizeiagenten Billy Costigan (Leonardo DiCaprio) bespitzelt wird. Costello selbst hat eine «Ratte», wie Spitzel im US-Jargon heißen, ins Polizeikommissariat eingeschleust: Costigans Kollegen, den jungen Detektiv Colin Sullivan (Matt Damon). Wer wird vom anderen zuerst entlarvt? Am Ende hat jeder sein Spiel zu weit getrieben.

    Außer Nicholson, DiCaprio, der in der Rolle des in die Ecke Getriebenen eine schauspielerische Glanzleistung erbringt, und Damon engagierte Scorsese Alec Baldwin, Martin Sheen und einen wunderbar unflätigen Mark Wahlberg als Cops. Lediglich bei der Wahl der Psychologin und Frau von Sullivan (Damon) entschied er sich für eine weniger bekannte Schauspielerin, Vera Farmiga («Down to the Bone»), traf aber ebenfalls voll ins Schwarze.

    Über DiCaprio, mit dem er zum dritten Mal einen Film machte, sagte Scorsese in einem Interview der Fachzeitschrift «Entertainment Weekly»: «Leos Gesicht ist ein Schauplatz moralischer Konflikte. Der Schmerz scheint aus seinen Augen. Er ist wie Montgomery Clift oder Paul Newman.» DiCaprio spielte zuletzt in Scorseses «Aviator» die Hauptrolle als Howard Hughes.

    Jack Nicholson hatte erst abgewinkt, dann aber bei dem Angebot nachgegeben, seine Dialoge um- oder sogar neu schreiben zu dürfen. Nicholson, mit den meisten Oscars und Oscar-Nominierungen derzeit Hollywoods Superstar, äußerte sich in der «Süddeutschen Zeitung» zu seinem Rotstift am Drehbuch: «Ich spiele den Schurken, und ich wollte es mit ihm noch auf die Spitze treiben. Ich wollte, dass aus dem Schurken ein Monster wird.» Untermalt wird Nicholsons diabolische Erscheinung in den ersten Szenen des Films vom Hilferuf der Rolling Stones: «Gimme Shelter».

    «The Departed» ist ein Remake des Hongkong-Thrillers «Infernal Affairs» von Andrew Lau und Alana Mak aus dem Jahr 2002, zeigt aber die unverkennbare Handschrift des New Yorkers Scorsese. Dieser hatte mit seinen Großstadtballaden «Taxi Driver» und «Mean Streets» selbst großen Einfluss auf das Genrekino im Fernen Osten und auf Regisseure wie John Woo und Wong Kar Wai ausgeübt.

    Von Gisela Ostwald, dpa

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