40.000
  • Startseite
  • » Kritik: Demi Moores Urteil: "Nicht schuldig"
  • Kritik: Demi Moores Urteil: "Nicht schuldig"

    "Kollegen" nennen ihn ehrfürchtig den "Lehrer". Denn wo er auftaucht, so munkelt man, ist bald die Schule aus. Vincent (Alec Baldwin) ist ein Auftragskiller, so intelligent wie kaltblütig. Er mordet leise und ohne großes Aufsehen.

    Als die Bildhauerin und alleinerziehende Mutter Annie (Demi Moore) in einem Prozeß als Geschworene eingesetzt wird, bekommt der "Lehrer" den Auftrag, die junge Frau zu überreden, für "nicht schuldig" zu plädieren und davon auch die anderen Geschworenen zu überzeugen. Denn der ältere Herr im eleganten Nadelstreifen, der gelassen auf der Anklagebank sitzt, ist kein Geringerer als Mafiaboß Louie Boffano (Tony Lo Bianco).

    Wie sich der "Lehrer" in Gestalt eines Kunstliebhabers in Annies Leben einschleicht, ihr charmant den Hof macht und sie dann auf einmal mit subtilen Drohungen erpreßt, indem er ihr klarmacht, wie schnell ihr Sohn mit dem Fahrrad auf der Straße verunglücken kann, ist erstklassig inszeniert und atemberaubend. Denn noch ist kein Tropfen Blut geflossen, spielt sich das Verbrechen allein im Kopf ab. Doch dann bricht der Film völlig überraschend mit diesem raffinierten Stilmittel, und aus einem feinsinnigen Psychokrimi wird ein fader Actionfilm. Statt weiter mit der Phantasie des Zuschauers zu spielen, läßt Regisseur Brian Gibson lieber die Waffen sprechen. Nach dem Freispruch von Boffano gesteht der "Lehrer" plötzlich Annie seine Liebe und den Haß auf seine Auftraggeber. Das weiß die nach Vergeltung dürstende Annie geschickt auszunutzen, indem sie den Killer gegen seine eigenen Leute ausspielt. Doch der durchschaut das Spiel und beschließt, Annies Sohn Oliver, der sich bei einem Freund in Guatemala aufhält, zu töten.

    Vielleicht hätten charismatische Charakterdarsteller das am Ende allzu simpel gestrickte Katz-und-Maus-Spiel noch retten können. Doch weder verfügen Demi Moore und Alec Baldwin über genügend persönliche Ausstrahlung, noch haben sie die schauspielerische Klasse, den Film vor dem qualitativen Untergang zu bewahren. Was als ausgeklügeltes Gedankenspiel begann, endet als phantasieloses, blutiges Pistolenduell im mittelamerikanischen Dschungel. Einmal mehr sieht eine Mutter in einen US-Film rot und übt Auge um Auge mit dem Killer hemmungslose Selbstjustiz. Allein für dieses zweifelhafte Verhalten verdient dieser Thriller ein gnadenloses Urteil: "Schuldig!" bo.e.

    "Nicht schuldig" (USA) 1995. 118 Minuten. Freigegeben ab 16 Jahren. Startkopien: keine Angabe. Regie: Brian Gibson. Darsteller: Demi Moore, Alec Baldwin, Joseph Gordon-Levitt und Anne Hech.

    Copyright: , 30.5.1996

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Onliner vom Dienst

    Redakteur

    Maximilian Eckhardt

    Mail | 0261/892743

    Abo: 0261/98362000

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Das Wetter in der Region
    Freitag

    -1°C - 8°C
    Samstag

    -3°C - 4°C
    Sonntag

    -4°C - 3°C
    Montag

    -4°C - 3°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    UMFRAGE
    Thema
    Umfrage: Feiertagsruhe

    Ist es noch zeitgemäß, an etlichen Feiertagen Musik-, Sport- und Tanzveranstaltungen zu verbieten?

    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!