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  • Kritik: Dem religiösen Wahn auf der Spur

    Inspektor Doyle bekommt Besuch. In einer Regennacht taucht ein junger Mann, der sich Fenton Meiks nennt, in seinem Büro auf und behauptet, er wisse, wer der Gods Hand-Mörder ist, der vor mehr als 20 Jahren seine Opfer serienweise meuchelte: sein Bruder Adam.

    In Rückblicken erfahren der FBI-Agent und mit ihm der Kinobesucher, was es mit dem Täter auf sich hat, der glaubt, von Gott auserwählt zu sein, die Welt von Dämonen zu befreien. Dämonisch ist auch der deutsche Titel dieses US-Horror-Thrillers ("Frailty" im Original), mit dem Schauspieler Bill Paxton zugleich sein Regie-Debüt gibt.

    Grauen bricht ins Familienidyll ein

    Aus heiterem Himmel bricht das Grauen 1979 in ein Familienidyll ein: In seinem Haus am Rande eines Rosengartens in der texanischen Provinz kümmert sich der verwitwete Mr. Meiks (Bill Paxton) rührend um seine beiden Söhne, den 12-jährigen Fenton (Matthew O'Leary) und den 9-jährigen Adam (Jeremy Sumpter). Aufgewühlt weckt er beide eines Nachts: Ein Engel habe ihm Gottes Auftrag mitgeteilt, sündhafte Menschen zu beseitigen. Namensliste, Axt und Schlagstock werden nachgeliefert. Während der kleine Adam sich mitreißen lässt, bleibt Fenton skeptisch und versucht, sich den Taten des Vaters zu verweigern, um nur noch tiefer in den Strudel des Schreckens hineingerissen zu werden.

    Grundidee: aktuell und hochspannend

    Hochspannung könnte sich aus der Grundidee dieser eher preiswerten Produktion ergeben: Religiöser Wahn, der Menschen dazu treibt, sich für Gottes eigenes Werkzeug auf Erden zu halten, richtet seit den Kreuzzügen immer wieder tödliches Unheil an. Brandaktuell ist das Thema mit seiner moralischen Frage nach Gut und Böse seit dem 11. September 2001. Gibt es also zur Zeit einen idealeren Stoff, Abgründe und Irrwege der menschlichen Seele für ein großes Publikum packend zu untersuchen?

    Rezept für Gothic Movies: nächtliche Gewitter, eine einsames Haus...

    Drehbuch-Neuling Brent Hanley und Regisseur Paxton (als Schauspieler unter anderem in Twister, 1995, und Titanic, 1997, dabei) gelingt es jedoch nur bedingt, den Ansatz anderthalb Stunden lang mit psychologischem Tiefgang à la Hannibal Lecter (1991 folgende) zu füllen. Einseitig verlassen sich beide auf sterotype Versatzstücke des Gothic Movies: Dramatische Hell-Dunkel-Effekte, nächtliche Gewitter, mysteriöse Klangteppiche, ein einsam gelegenes Haus: All das, bereits im Schauerroman der englischen Romantik (Frankenstein, 1818) entwickelt, kennt man, seitdem das beliebte, gern auch parodierte Genre auf der Leinwand existiert von "Das Cabinet des Dr. Caligari" (1919) bis zu "Scary Movie" eins und zwei (2000/1).

    Kontrast zwischen Alltag und Grauen funktioniert nicht immer

    Abgenutzt wirkt der Kontrast zwischen Alltagsnormalität und grausamer Heimsuchung, zwischen unschuldigen Kindergesichtern und brutalen Morden (die hier nur indirekt gezeigt werden). Es erscheint nicht wirklich paranoid, sondern manchmal fast komisch, wenn Vater und Sohn ihrem tödlichen Tun wie einem Hobby nachgehen, ansonsten aber im Seelen- und im übrigen Haushalt der beiden alles beim Alten zu bleiben scheint.

    Ende überzeugt mit trickreich konstruierter Handlung

    Die vor allem gegen Ende trickreich konstruierte Handlung erzählt Paxton im Übrigen bedächtig. Nicht zuletzt dank der soliden Leistungen seiner Darsteller erzielt er immerhin einen beunruhigenden Effekt auf den Zuschauer in seinem Kinosessel. Viele Flashbacks auch während der Autofahrt des fremden Besuchers (Matthew McConaughey, Wedding Planner, 2001) mit dem FBI-Mann (Powers Boothe, Men Of Honor, 2000) zum früheren Heim der Familie fächern die Zeitebenen weiter auf und schaffen zusätzlich eine Atmosphäre des Irrealen.

    Ulrike Cordes, dpa

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