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  • Kritik: De Niro erhält Gesangsunterricht von einem Transvestiten

    Walt Koontz ist ein Wachmann im Ruhestand, der in einem heruntergekommenen New Yorker Hotel haust. Manchmal geht er zum Tango-Tanz, manchmal ärgert er sich über den Lärm der Nachbarn, eine Gruppe singender Transvestiten.

    Als er bei einem Überfall im Haus eingreifen will, erleidet er einen Schlaganfall. Er kann kaum sprechen und will seine Wohnung nicht mehr verlassen. Da wird ihm therapeutischer Gesangsunterricht verordnet, ausgerechnet bei seinem verhassten Nachbarn Rusty, der in Frauenkleidern herumläuft. Das ist der Beginn einer von ständigen Krisen geplagten Männerfreundschaft, die Walt aber wieder Freude am Leben gibt. "Makellos" mit Robert De Niro kommt am 6. Juli in die Kinos.

    Der erfolgreiche amerikanische Regisseur Joel Schumacher kam auf die Idee zu diesem Film, weil ein Freund von ihm nach Schlaganfällen mit Hilfe von Gesangsstunden wieder sprechen gelernt hatte. Zusätzlichen Pfeffer streute Schumacher in sein Drehbuch, indem er dem Schlaganfallopfer einen betont männlichen Charakter, verkörpert von Robert De Niro, gab. Sein gesten- und gefühlsreicher Gesangslehrer Rusty, gespielt von Philip Seymour Hoffman, empfindet sich hingegen als Frau in einem falschen Körper. "Die Story sollte erzählen, was es bedeutet, ein Mann zu sein, und ob es wichtig ist, welches Bild man nach außen abgibt", sagt Schumacher.

    De Niro verbrachte einige Wochen in einer Klinik mit Schlaganfall-Patienten, um sich auf seine Rolle vorzubereiten. Er entwarf einen Bleischuh und Gewichte für den Arm, die seine Bewegungen realistischer machen sollten. Er trug außerdem eine Art Mundprothese, die sein Gesicht partiell gelähmt wirken ließ. Darüber hinaus nahm er auch Tango-Unterricht. Philip Seymour Hoffman lernte Klavier spielen, und machte sich mit der Transvestiten-Szene vertraut. Von den echten Transvestiten, die in dem Film mitspielen, fühlte er sich schon bald akzeptiert.

    Der Film spielt in der Stadt, in der der Regisseur aufwuchs. Er zeigt viel vom New Yorker Straßenleben, von Schmutz und Verfall. Schumacher war es wichtig, dass die Bilder nie hübsch sein sollten: "Das ist die Kunst, die aus Realität gemacht ist." Die Appartements sind hässlich, doch im Haus treffen sich gesprächige Omas, exaltierte Männer in Frauenkleidern, rechtschaffene Bürger, die reaktionäre Witze reißen. Die mitten aus dem Leben gegriffenen ständigen Gegensätze sind Anlass für brillante Situationskomik. Man darf fröhlich staunen, wie viel Verständigung und Miteinander dabei möglich wird.

    Zusätzliche Heiterkeit liefern Szenen, die fast jeder schon einmal erlebt hat oder zumindest nachfühlen kann: wenn zum Beispiel ein junger Mann seinen jeweiligen Liebeskummer zur Gitarre vertonen will, sich aber stets in Selbstmitleid verliert. Wie sich Walt an den schillernden Rusty gewöhnt und sich zunehmend für dessen Gedanken und Gefühle interessiert, ist so spannend, als würde man selbst eine neue Freundschaft schließen. "Makellos" ist das reine Filmvergnügen: quirlig, realistisch, ungekünstelt und mit zwei Vollblut-Schauspielern in den Hauptrollen.

    Bianka Piringer, AP

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