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  • Kritik: Das Tier im Manager

    Wenn das Tier im Manager erwacht, gibt es kein halten mehr. So schleicht Jim Carrey nachts aus dem Haus und stückelt sich aus den Gärten seiner Nachbarn einen neuen Rasen zusammen - der eigene wurde nämlich wieder abgetragen, nachdem er seinen Job verlor und sich sein scheinbar prosperierendes Unternehmen in Luft auflöste.

    Beim Rasen bleibt es nicht: Voller krimineller Energie nehmen sich Dick und Ehefrau Jane (Tea Leoni) erst Kaffeebars und schließlich routiniert auch Banken vor. Mit diesem aberwitzigen Kampf um die Errungenschaften des amerikanischen Traums wagt Hollywood erste Lacher über die Bilanzskandale bei Riesenkonzernen wie Enron oder Worldcom, in denen tausende Arbeitnehmer ihre Jobs und Ersparnisse verloren.

    Mischung aus Schadenfreude und Horror

    Und Jim Carrey ist komisch. Sicherlich albert er bei weitem nicht mehr so viel herum, wie einst in «Ace Ventura» oder «Dumm und Dümmer». Doch wenn er einem gefesselten Überfall-Opfer mit Stimmverzerrer ein Gitarrensolo bietet oder auf dem Weg zu seiner Beförderung im Fahrstuhl über ein Paar Dutzend Stockwerke «I Believe I Can Fly» grölt, liegt man am Boden. Der Mann hat es immer noch drauf, auch wenn die Satire manchmal den gewohnten Schwung einer typischen Jim-Carrey-Komödie vermissen lässt.

    Eigentlich hätte Dick riechen müssen, dass an der plötzlichen Beförderung zum Firmensprecher des Börsenstars Globodyne etwas faul war. Aber geblendet vor Freude marschiert er stattdessen ahnungslos ins Fernsehstudio, um stammelnd mitzuerleben, wie noch während des kurzen Interviews mit unangenehmen bohrenden Fragen der Aktienkurs auf Null fällt. Arbeit weg, die meisten Erparnisse und Altersversorgung - angelegt natürlich in vermeintlich sicheren Globodyne-Aktien - auch. Schlimmer noch, angesichts des neuen Super- Jobs ihres Mannes gab Jane sofort ihre Arbeit auf.

    Hoffnungen auf einen neuen Job zerschlagen sich in den nächsten Monaten und die Familie versinkt langsam aber sicher in Armut. Nach dem Rasen sind auch die Möbel weg, der BMW weicht einem klapprigen gelben Etwas, sie hamstern in Suppenküchen und duschen in fremden Gärten unter Rasensprengern. Die amerikanische Mittelklasse dürfte bei diesem Szenen eine Mischung aus Schadenfreude und Horror verspürt haben.

    Der perfekte Ausweg: Das Verbrechen

    Schließlich finden Dick und Jane jedoch den perfekten Ausweg: Das Verbrechen. Der Anfang ist für einen ehrlichen Bürger natürlich schwer. Doch erst klappt es mit zwei Kaffeebechern und dann laufen die Überfälle mit immer neuen Masken wie am Schnürchen. So holt sich das sympathische Paar wieder den gewohnten Wohlstand zurück, inklusive des von ihrem Sohn so vermissten Flachbildfernsehers. Und schließlich rückt der Mann, der ihre Existenz zerstört hat, in ihr Visier: Ex-Globodyne-Chef Jack McCallister (Bösewicht vom Dienst Alec Baldwin), der als Einziger rechtzeitig seine Aktien abwarf und 400 Millionen Dollar einsteckte.

    Der Film zeigt auch, dass die heutigen Wirtschaftskrisen gar nicht so neu sein können: «Dick und Jane», in Deutschland versehen mit dem Zusatz-Titel «Zu allem bereit, zu nichts zu gebrauchen», ist die Neuauflage eines Films von 1977 mit Jane Fonda und George Segal, die nur etwas an die heutige Zeit angepasst wurde.

    dpa

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