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  • Kritik: Das Röhren der Hirsche

    Grauschwarzer Hintergrund, strömender Regen, dunkel glänzender Asphalt: ein Serienkiller geht um. Der düstere Auftakt dieses richtig fies gemeinten deutschen Thrillers erinnert stark an den amerikanischen Psychothriller «Sieben» (1995) mit Morgan Freeman und Brad Pitt. Wenn da nur der grünweiße Streifenwagen nicht wäre.

    Regisseur Christian Alvart orientiert sich in seinem zweiten Spielfilm an großen Vorbildern des Genres, allen voran Jonathan Demmes «Das Schweigen der Lämmer» (1991). Leider röhren hier nur die Hirsche - über weite Strecken kommt dieser Möchtegern-Schocker furchtbar bieder und bisweilen auch unfreiwillig komisch daher.

    Der Anfang ist aber spannend und wirklich gruselig. In einer düsteren Berliner Wohnung werden mit frisch gezapftem Blut apokalyptische Bilder gemalt. Vor der Tür warten zwei zitternde Polizisten, die sich auf das Schlimmste gefasst machen.

    Sie werden nicht enttäuscht, die Zuschauer auch nicht. Nach einem spektakulären Fluchtversuch wird der Serienkiller mit dem zaunpfahlwinkenden Namen Gabriel Engel (André Hennike in bizarrer Kriegsbemalung) vom abgebrühten Kommissar Seiler (Heinz Hoenig) festgenommen.

    Als der Berliner Cop beim Kindermörder Engel auf Granit beißt, schaltet sich der Dorfpolizist Michael Martens (Wotan Wilke Möhring) in die Verhöre ein. Der erhofft sich die Aufklärung eines eineinhalb Jahre zurückliegenden Sexualmordes an einer Zwölfjährigen. Dieses Verbrechen lastet wie ein Fluch auf ihm und entfremdet Martens von seiner Familie und der Dorfgemeinschaft.

    Der fromme, innerlich zerrissene Landbeamte fährt also in die große Stadt und beginnt seine Interviews mit dem teuflischen Psychopathen. Und so langsam wird die Sache dann lächerlich. «Wen hast du erwartet, Hannibal Lecter?», fragt der gefallene Engel den gottesfürchtigen Provinzbullen. Der dämonische Gabriel hält sich allerdings anders als sein cleveres Vorbild mit Stammtischfragen nach dem Sexleben seines braven Verhörpartners auf. Dabei glotzt er die ganze Zeit mit starrem Blick sein Gegenüber an.

    Das ist - nicht nur für den biederen Martens - etwas zu viel. Er gerät auf die schiefe Bahn, landet im Bordell, absolviert einen dreckigen One-Night-Stand, wird schließlich fast wahnsinnig. Ja, ja das Böse und der Sündenpfuhl Berlin fordern ihren Tribut.

    Regisseur und Drehbuchautor Christian Alvart jongliert in seinem durchaus gewagten, aber zu klischeebeladenen Thriller mit Gegensätzen wie Großstadt und Land, Selbstverwirklichung und Familie, Werteverfall und Religiosität. Besonders neu ist das nicht. Glücklicherweise werden zumindest die Gut-und-Böse-Fragen des Films offen gelassen.

    dpa

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