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  • Kritik: Das Meer, die Insel, der Wahnsinn

    Rom. Gleißend brennt das Sonnenlicht auf schroffe weiße Felsen, die Landschaft ist karg und trocken. Es ist heiß, das spüren selbst die Zuschauer in ihren Kinosesseln. Lampedusa ist der Name der herb-unwirtlichen Insel zwischen Sizilien und Afrika, Kulisse für den neuen Film des italienischen Regisseurs Emanuele Crialese.

    Ein Ort, wo sich das Leben seit Generationen dahinschleppt, als wäre die Zeit irgendwann stehen geblieben. Dabei ist die Insel alles andere als der typische Italien-Urlaubstraum. Lampedusa ist auch der deutsche Titel dieser romantischen Tragödie, die im Original "Respiro" (Atem) heißt.

    Die mysteriöse Grazia passt nicht so wirklich in den Alltagstrott der Insel

    "Für mich ist 'Respiro' der treffendere Titel. Der ganze Film ist wie ein Atemzug, ein bestimmtes Lebensgefühl", sagte Hauptdarstellerin Valeria Golino der dpa. "Außerdem grüßen sich die Einwohner der Insel traditionsgemäß mit der liebenswürdigen Anrede 'Mein Atem', deshalb hat dieser Titel quasi eine Doppelfunktion", erklärt die italienisch-griechische Schauspielerin mit der markanten Stimme. Sie spielt die schöne, mysteriöse Grazia, die so gar nicht in den Alltagstrott der von Traditionen geprägten Insel passt.

    Grazia ist die Ehefrau des Fischers Pietro und Mutter von drei Kindern. Wie fast alle Frauen auf Lampedusa arbeitet sie in einer Fischfabrik, das Leben wird vom Meer bestimmt, das nicht nur den Lebensunterhalt sichert, sondern auch Abkühlung von der sengenden Sommerhitze bietet.

    Anfall von trotzigem Wahnsinn

    Grazia ist anders als die anderen. Sie ist unberechenbar, stürmisch und überschwänglich. "Wenn sie glücklich ist, ist sie immer etwas zu glücklich; und wenn sie traurig ist, ist sie zu traurig", bringen es die Inselbewohner auf den Punkt. "Sie ist eine Kindfrau, die sich von den Dingen verzaubern lässt, aber das Leben in der kleinen Insel-Gemeinde nur schwer ertragen kann", beschreibt Golino ihre Rolle. Grazia beugt sich keinen Regeln, hasst Ungerechtigkeiten und geht auch schon mal nackt mit ihren Söhnen schwimmen.

    Als sie in einem Anfall von trotzigem Wahnsinn die streunenden Hunde der Insel aus dem Tierheim befreit, ist das Maß voll. Sie sei "verrückt" und müsse nach Mailand in eine Klinik, entscheidet die Dorfgemeinschaft. Aber während Ehemann Pietro sich überreden lässt, seine Frau fortzuschicken, stellt sich Grazias ältester Sohn Pasquale auf die Seite der Mutter - und verhilft ihr zur Flucht.

    Das Meer ist der eigentliche Held

    "Filme wie 'Lampedusa' geben Dir eine echte Lebenserfahrung", meint Golino. Nach zahlreichen Erfahrungen in Amerika, wo die Wahlrömerin unter anderem auch in den Kassenschlagern "Rain Man" und "Hot Shots" mitspielte, dreht sie jetzt wieder verstärkt in Italien. "Ich arbeite gerne in beiden Ländern", sagt sie. Das hat sie wohl mit Regisseur Emanuele Crialese gemeinsam, der seinen ersten Spielfilm "Once we were strangers" ebenfalls in den USA gedreht hatte.

    Neben Valeria Golino und Film-Ehemann Vincenzo Amato hat "Lampedusa" noch einen weiteren Hauptdarsteller: "Das Meer ist der Superstar des Films, der eigentliche Protagonist", sagt die Schauspielerin. Nicht umsonst endet "Lampedusa" im Wasser, unter Wasser, da wo die Menschen eins werden mit der Natur und die Stille alle Angst nimmt.

    Stiller und außergewöhnlicher Film

    "Lampedusa" ist ein Augenschmaus, ein stiller und außergewöhnlicher Film, der seine Authentizität vor allem durch die zahlreichen Laiendarsteller gewinnt. Und obwohl die Geschichte, die auf einer wahren Legende der Insel beruht, teils märchenhaften Charakter hat, ist sie doch gleichzeitig von verwirrender Realität.

    Carola Frentzen, dpa

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