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  • Kritik: Das Leben ist tragisch und komisch

    Ist das Leben nun grundsätzlich eher komisch oder eher tragisch? Diese fundamentale Frage wälzen zwei Bühnenautoren in New York in Woody Allens jüngstem Film «Melinda Melinda».

    Um sich gegenseitig zu überzeugen, erfinden sie bei einem gepflegten Glas Rotwein die hübsche blonde junge Melinda, die ohne Ankündigung bei einem befreundeten Ehepaar zu einer Dinnerparty hereinplatzt. Für den Dramatiker (Larry Pine) geht die Geschichte düster weiter, Komödienschreiber (Wallace Shawn) dagegen sieht die Konstellation in einem sonnigen Licht. Die beiden Melindas führen also in den Köpfen der beiden Freunde ein Parallel-Leben. Filmemacher Woody Allen schneidet dafür gekonnt zwischen den Storys hin und her.

    Die Reaktionen der Kritiker in den USA auf den neuen Allen waren mindestens so konträr wie die Figuren. «Woody Allen ist wieder in Höchstform», befand der «Rolling Stone». «Die Dialoge funkeln, die Besetzung ist grandios und beide Geschichten sind sehr unterhaltsam», schrieb der «Boston Herald». Andere bemängeln dagegen, der Film habe nicht die Klasse früherer Allen-Filme: «Die komischen und tragischen Geschichten sind clever geschnitten, aber so inkonsequent, dass man sich nicht wirklich dafür interessiert, welche man gerade sieht», schrieb ein Kritiker im Internet (salon.com).

    Beide Melindas werden gespielt von der Australierin Radha Mitchell («Wenn Träume fliegen lernen» mit Johnny Depp). Wenn sie die Haare wild trägt und sich mit ärgerlichen Bewegungen Zigaretten anzündet, dann ist Tragik im Verzug. Wenn sie dagegen im frisch frisierten Bob als Unschuld in Person erscheint, dann steht Comedy an. In beiden Fällen bringt sie jedenfalls mit ihrem Erscheinen am ehelichen Abendbrottisch die Beziehungen ihrer Freunde in Aufruhr und setzt eine Kette von Missverständnissen in Gang. Die tragische Melinda trifft auf ihre alte Klassenkameradin Laurel (Chloë Sevigny), Tochter aus reichem Hause, und deren Mann Lee (John Lee Miller), einem unterbeschäftigten Schauspieler mit einem Alkoholproblem. Bei einem Scotch erzählt sie ihr bisheriges Leben von einer bitteren Scheidung, einer unglücklichen Affäre und einem Selbstmordversuch. Und das ist nur der Anfang.

    Melindas komisches Gegenstück lebt im gleichen Haus wie das befreundete Ehepaar, einem ebenfalls unterbeschäftigten Schauspieler Hobie (Will Ferrell) und seiner Frau Susan (Amanda Peet), einer feministischen Filmemacherin, die ihr neustes Projekt martialisch «The Castration Sonata» (etwa: Kastrations-Sonate) genannt hat. Sie will ihrer besten Freundin Melinda dabei helfen, den richtigen Typen zu finden, bis Hobie entscheidet, dass er es selbst ist. Ziemlich schnell wird klar, dass Komödie und Tragödie sich plötzlich nicht so leicht unterscheiden lassen und das eine Genre in das andere übergeht. Wie im richtigen Leben eben.

    Keinen Hehl macht Woody Allen daraus, wie er selbst das Leben sieht. Als Fünfjähriger schon kam er zu der Erkenntnis, dass das Bild allen menschlichen Lebens ein verschlingendes Toilettenrohr sei, sagte er in einem Interview mit dem «Stern». Und dass «eines Tages alles das Klo runterrauschen wird: ich, meine Eltern, unsere Wohnung - einfach alles». Für seine Fans hat die Erkenntnis des Kult- Filmemachers einen doppelten Effekt: Lachen bis es weh tut.

    dpa

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