40.000
  • Startseite
  • » Kritik: "Das Leben ist eine Baustelle":
  • Kritik: "Das Leben ist eine Baustelle":

    Hamburg (dpa) - "Das Leben ist wirklich eine Baustelle - ziemlich brüchig. Aber ganz fertig gebaut wäre es die große Langeweile", findet Jürgen Vogel. Nicht nur deshalb scheint ihm die Rolle des Gelegenheitsarbeiters Jan Nebel in Wolfgang Beckers neuem Streifen "Das Leben ist eine Baustelle" auf den Leib geschneidert.

    Die melancholisch-witzige Berlin-Story über Menschen - und eine Stadt - im Aufbruch erzielte schon bei der Berlinale als einziger deutscher Wettbewerbsbeitrag einen Achtungserfolg und kommt am nächsten Donnerstag (20. März) bundesweit in die Kinos.

    Becker, eigenen Aussagen nach immer "auf der Suche nach authentischen Schauspielern" hatte den 28jährigen Vogel schon seit langem für den Hauptpart der Baustellen-Parabel im Blick - nicht zuletzt wegen seiner "proletarischen", ungeschniegelten Note. "Randfiguren der Gesellschaft kommen in den meisten deutschen Filmen derzeit doch nur als Karikaturen vor und werden nicht wirklich ernstgenommen", beklagt der Regisseur im dpa-Gespräch. Für ihn ist das kein Wunder, denn "neun von zehn Schauspielern kommen aus großbürgerlichen Kreisen. Die sind einfach überrepräsentiert."

    Becker, der nach seinem mehrfach preisgekrönten Kurzfilm "Schmetterlinge" unter anderem mit Vogel den Tatort "Blutwurstwalzer" drehte, hatte die Idee für die "Baustelle" schon lange im Kopf. "Der Titel ist Metapher für den Zustand der Hauptpersonen", sagt er. In der Tat geht es im Leben von Schlachtergehilfe Jan, seiner eigenwilligen, kunstbegeisterten Liebe Vera (in überzeugender Natürlichkeit: Christiane Paul) und seinem arbeitslosen Rockabilly- Kumpel Buddy (Ricky Tomlinson) nicht gerade wohlgeordnet zu. Mitten in der Millionenstadt Berlin treffen sie aufeinander und bemühen sich mit mal mehr und mal weniger Erfolg darum, daß ihre Lebenswege sich nicht nur kreuzen, sondern miteinander verbinden.

    Für Vogel spiegelt die "Baustelle" die Realität vieler Großstädte wider: "Es ist viel kaputt. Aber es gibt auch kleine Freundschaften, es gibt Liebe, in diesem Film entsteht aus den zerbrochenen Teilen eine Art neuer Ersatzfamilie." Daß auch die an ihre Grenzen stoßen, spart Becker nicht aus - er läßt seine nach Liebe suchenden Protagonisten im unwirtlichen Winter durch den Großstadtdschungel stolpern, vorbei an Kleinfamilien, die keine Geborgenheit mehr schenken können, aber auch an Fremden, die ungeahnte Solidarität und Wärme bekunden. Wenn Jan und Vera sich begegnen, umkreisen, umfangen, ist das wie ein kleines Wunder: Zwei Kometen aus unterschiedlichen Universen, deren Bahnen sich per Zufall kreuzen.

    Und bei aller Zerbrechlichkeit geht das Ganze nicht ohne Humor und Komik ab - immer wieder baut Becker Komödien-Elemente ein. "Komik funktioniert nur, wenn den Hauptpersonen nicht zum Lachen zumute ist. Sonst wird die Sache zur Klamotte." Dieses Bruchstückhafte, lose Zusammengefügte haben einige dem Film zum Vorwurf gemacht - wer jedoch damit leben kann, daß Türen wie Fragen offen bleiben, den dürfte ein Besuch der "Baustelle" in einem Maß ansprechen, das bei deutschen Filmen immer noch die Ausnahme ist.

    Von Andrea Barthelemy, dpa

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik
    Bettina Tollkamp

    Bettina Tollkamp

    Chefin v. Dienst

    E-Mail

    Abo: 0261/98362000

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Das Wetter in der Region
    Sonntag

    5°C - 9°C
    Montag

    3°C - 8°C
    Dienstag

    2°C - 6°C
    Mittwoch

    3°C - 7°C
    Anzeige
    UMFRAGE
    Thema
    Rock am Ring geht zurück

    Das Rockfestival findet 2017 nicht mehr in Mendig, sondern wieder am Nürburgring statt. Was sagen Sie zu diesen Neuigkeiten?

    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!