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  • Kritik: Das Glück liegt um die Ecke

    Straßenkino von C�dric Klapisch: '. . . und jeder sucht sein Kätzchen'

    Die junge Pariserin Chlo� ist ein dünnes Wesen, das gerne seine Füße im Sitzen nach außen verdreht und die mageren Knie nach innen: ein Mädchen, das die geeignete Körperhaltung noch nicht gefunden hat. Chlo�s Alter liegt irgendwo zwischen Teenager und junger Frau. Sie schaut aufmerksam um sich, sie wartet, sie sucht. Auch ihr Beruf scheint hauptsächlich aus Warten zu bestehen: sie arbeitet als Maskenbildnerin für eine Modephotographin.

    Chlo� (Garance Clavel) wohnt gemeinsam mit Michel (Olivier Py), einem homosexuellen Freund, und ihrer Katze Gris- Gris in einer Altbauwohnung mitten im Arrondissement um die Bastille. Mit ihren Blicken erleben wir als Zuschauer, wie ein traditionelles Stadtviertel quasi dem Erdboden gleichgemacht wird. Denn wenn Chlo� durch die Straßen geht, ist sie vom permanenten Lärm der Abrißbagger umgeben. Zur Drehzeit von ... und jeder sucht sein Kätzchen muß das ganze Viertel eine einzige Großbaustelle gewesen sein. Dies jedenfalls ist der quasi dokumentarische Hintergrund zur Handlung des Spielfilms.

    Weil sie ihre Katze sucht, läuft Chlo� dauernd durch die Straßen. Während eines Kurzurlaubs hatte sie Gris-Gris bei der alten Madam Ren�e (Ren�e le Calm) in Obhut gegeben. Die ist nun untröstlich, daß das Tier plötzlich verschwunden ist. Mit auf der Suche ist Djamel, ein junger, etwas zurückgeblieben wirkender Araber, der Chlo� mal scheu aus der Distanz, mal eher bedrängend verehrt. Und mit auf der Suche sind alle jene liebenswürdigen älteren Damen und Bekannten von Chlo� und Madame Ren�e, die mit Verwirrung und Erstaunen die Veränderungen in ihrem Viertel registrieren.

    Der Filmtitel sagt es schon ziemlich deutlich: Jeder sucht nach etwas, sucht seinen Platz im Leben. Für Chlo� - und das wird ihr im Verlauf der Suche nach Gris-Gris immer bewußter - geht es natürlich auch um die Suche nach Liebe, nach Glück, nach einem Weg aus der Einsamkeit. Klapisch, das vermittelt sein Film in jeder Szene, und das hatte ja auch einmal im französischen Kino seine Tradition, sieht den Ausweg der Einsamen nur in einem Netz von nachbarschaftlichen Beziehungen. In seinem Pariser Stadtviertel haben sich trotz aller Veränderung die Caf�s und Bistros an der Ecke erhalten. Hier kann ein bunt gemischtes Völkchen den täglichen Austausch pflegen und deren soziale Funktion bewahren. Dieses Paris ist keine anonyme Großstadt, sondern eher ein Dorf. Da wird Djamel zwar als 'Ausländer' verspottet, aber eher wie ein Dorftrottel behandelt, der eben doch dazugehört.

    C�dric Klapisch, der seit zehn Jahren eigene Filme dreht, hat zwar in den USA gelernt, setzt hier aber ganz bewußt auf ein europäisches Kino. Ihm geht es nicht um actionpralle Schnittorgien, sondern um einen genauen, liebevollen Blick auf realistisch gezeichnete Menschen. Darum ist es auch kein Zufall, daß Klapisch eher unbekannte Schauspieler und Laien beschäftigt, Menschen von der Straße, denen er während des Drehens die Dialoge geschrieben hat.

    'Dieser Film', sagt der Regisseur, 'stellt keine Geschichte dar, sondern eine ,Recherche', in den vielseitigsten Bedeutungen des Wortes: Suchen und Aufspüren, Untersuchen und Erforschen. Die Suche nach einer Katze, die Suche nach einer Geschichte, die Erforschung eines Sujets, eines Films. Ein Versuch, Kino anders zu machen. Kein gelacktes, sondern ein schmutziges, einfaches Kino: Straßenkino, so wie man auch von Straßentheater spricht.'

    Das Ergebnis der Recherche ist dennoch keine Nostalgie, sondern eher ein Blick nach vorne. Irgendwann, das spürt der Zuschauer, wird Chlo� ihr Kätzchen schon finden. Und inmitten der sich wandelnden Stadt besteht allemal die Chance einer Begegnung. Chlo� lernt ständig neue Menschen kennen, manche enttäuschen sie, andere überraschen sie. Und am Ende wartet auch auf sie die Liebe - natürlich ganz in der Nähe; dort, wo man selten sucht.

    BODO FRÜNDT CHACUN CHERCHE SON CHAT, F 1995 - Regie und Buch: C�dric Klapisch. Kamera: Beno�t Delhomme. Schnitt: Francine Sandberg. Musik: Big Brother, Hakim, Dee Nasty, Al Green, Bonga, Freak Power u. a. Darsteller: Garance Clavel, Zinedine Soualem, Oliver Py, Ren�e Le Calm. Verleih: FPV. 90 Minuten.

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