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  • Kritik: "Das geheimnisvolle Kleid": Humorvoller Reigen menschlicher Verhaltensweisen

    Frauen und Männer verstehen einander nicht, das wird schon in den Anfangsszenen klar. Im Schlafzimmer eines älteren Ehepaars mit getrennten Betten prallen jegliche Annäherungsversuche des Mannes auf stumme, brüske Abweisung. Der Textildesigner Cremer bekommt von seiner Freundin, einer Stewardeß, vor den Kopf geknallt, daß sie ihn keine Minute länger ertragen könne. Er wird darauf "Das geheimnisvolle Kleid" entwerfen, dessen Geschichte der niederländische Spielfilm erzählt, der am 24. September in die Kinos kommt.

    Der Filmverleih Arthaus hat der deutschen Fassung einen langen erklärenden Titel verpaßt: "Das geheimnisvolle Kleid - Die Wirkung auf Frauen, die es tragen, und die Besessenheit der Männer, die es verfolgen". Im Original heißt der Titel nur lapidar "De Jurk" (Das Kleid) und paßt zum lakonischen Humor, der den Film durchzieht.

    Schon das Kleid selbst ist ein Witz: Auf leuchtend blauem Grund springen dem Betrachter symmetrisch angeordnete, stilisierte Blätter in Orange ins Auge. Die erste Trägerin ist eine ältere Hausfrau, zu der zwar das Muster, nicht aber der weite Ausschnitt paßt. Als sie es angezogen hat, ergreift sie eine seltsame Erregung, die sich schließlich als verhängnisvoll erweist.

    Der Wind weht das Kleid von der Wäscheleine, und es kommt in den Besitz des Hausmädchens Johanna (Ariane Schluter). Unterwegs fällt sie dem Fahrkartenschaffner De Smet (Alex van Warmerdam) auf, der beim Anblick des Kleides in heftige erotische Erregung gerät und Johanna bis nach Hause folgt. Als ihr Freund, ein egozentrischer Künstler, am Abend ausgeht, macht sich De Smet an sie heran. Sie verabreden sich für den nächsten Tag, der jedoch für sie zum Alptraum wird.

    Das Kleid landet von der Altkleidersammlung im Second-Hand-Laden, wo es auf Minilänge gekürzt wird. Es wird von der 16jährigen Chantalle (Ricky Koole) gekauft und erregt im Zug abermals die Aufmerksamkeit De Smets. Er folgt dem Mädchen nach Hause. Dort ist sie mit dem perversen Fremden ganz allein. Dann wird Chantalles Umhängetasche, in die sie das Kleid gestopft hat, von einer Landstreicherin gestohlen.

    Der Film variiert das Spiel und den Kampf der Geschlechter mit überraschenden Wendungen. Als Komödie kommt die Geschichte daher, wenn sie mit nüchterner Distanz erzählt wird: Man sieht den Frauen und Männern bei ihrem teilweise recht merkwürdigen Verhalten zu und wundert sich. Die spannendsten Momente, in denen die Trägerin des Kleides in höchster Gefahr scheint, spielen mit der Erwartung des Zuschauers. Doch zugleich ist der Film tiefgründig und sogar todtraurig. Fast allen Menschen in dem vom Kleid geformten Schicksalsreigen fehlt etwas Lebenswichtiges: Mitgefühl, Nähe, Liebe, Sinn.

    "Das geheimnisvolle Kleid" ist der dritte Film des Multitalents Alex van Warmerdam. Schon für seine ersten Arbeiten "Abel" (1986) und "Die Noorderlinger" (1992) erhielt er mehrere Auszeichnungen. Für "Das geheimnisvolle Kleid" gab es 1996 den Fipresci-Preis der Internationalen Filmfestspiele von Venedig und den Kritikerpreis des Netherlands Film Festival.

    Inge Treichel, AP

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