40.000
  • Startseite
  • » Kritik: Darabonts bewegende Stephen-King-Verfilmung "The Green Mile
  • Kritik: Darabonts bewegende Stephen-King-Verfilmung "The Green Mile

    Hollywood verwöhnt uns in diesen Wochen. Nach der grandiosen satirischen Tragödie "American Beauty" kommt nun mit "The Green Mile" am 10. Februar ein weiteres Meisterwerk in die Kinos. Nach dem Fortsetzungsroman von Bestseller-Autor Stephen King hat Frank Darabont einen dreistündigen Film gedreht, der bewegend, fesselnd und verzaubernd eine Geschichte erzählt, die kein Zuschauer so schnell vergessen dürfte.

    Dafür sorgt allein schon die Schlüsselfigur des Dramas, der wegen angeblichen Mordes an zwei kleinen Mädchen zum Tode verurteilte John Coffey. Nun soll er auf dem Elektrischen Stuhl für die Tat büßen. Aber der riesenhafte, muskelstrotzende Schwarze besitzt wundersame Kräfte.

    Viele Jahre später, und so beginnt der Film, erinnert sich Paul Edgecomb, der ehemalige Leiter des Trakts der Hinrichtungskandidaten im Gefängnis Cold Mountain, an diesen ganz und gar ungewöhnlichen Mann. Edgecomb lebt in einem Seniorenheim, das er oft zu geheimnisvollen Spaziergängen verlässt. Der Grund dafür wird dem verblüfften Zuschauer erst am Ende des Films enthüllt. Bis dahin aber gib es einen langen Rückblick in das Jahr 1935 und in die Zeit, als Coffey in der schäbigen Zelle auf die Vollstreckung seines Urteils warten musste. Es ist auch das Jahr, in der die Frau des grundanständigen Gefängnisdirektors Hal Moores unheilbar an Krebs erkrankte.

    Dass und wie Melinda Moores gegen alle Wahrscheinlichkeit vorm sicheren Tod errettet wird, gehört zu den Höhepunkten eines makellosen Films, der es versteht, realistische und fantastische Elemente ohne jeden Webfehler miteinander zu verknüpfen. Auf so originelle wie anschauliche Weise entwirft "The Green Mile" ein Bild jener Epoche, die als die "Große Depression" unauslöschlich ins amerikanische Kollektivbewusstsein eingegangen ist. Ein Großteil der Handlung spielt sich ausschließlich in jenem "grüne Meile" genannten Todestrakt mit acht Zelleneinheiten ab. Das vermittelt der Geschichte hohe Konzentration und dem Zuschauer eine Art klaustrophobische Befindlichkeit - er sitzt mit drin in dieser letzten Behausung der Verdammten.

    Wer allerdings spektakulären Horror erwartet, weil die Vorlage des ebenfalls von Darabont verfassten Drehbuchs von Stephen King stammt, wird nicht auf seine Kosten kommen. In weiten Teilen der drei Stunden herrschen leisere Töne vor, auch Beiläufiges wird ohne Hast gezeigt. Wahrscheinlich ist es dieses ruhige, doch niemals schleppende Tempo, was zur intensive Wirkung dieses Films auf den Betrachter entscheidend beiträgt. Jede Einstellung, jede Szene wirkt wohl überlegt und dramaturgisch schlüssig - von wie vielen Kinowerken ließe sich solches schon behaupten? Fünf Jahre nach seinem gefeierten Kinodebüt mit "Die Verurteilten" hat Darabont eindrucksvoll bewiesen, dass sein Erstling keine Eintagsfliege war.

    Er konnte allerdings für "The Green Mile" ein fantastisches Darsteller-Team zusammenführen können. Allen voran der zweifache Oscar-Preisträger Tom Hanks als Paul Edgecombe. Einmal mehr glänzt Hanks mit leichtem Doppelkinn als idealer amerikanischer Mister Jedermann, der einem einfach sympathisch sein muss. Bonnie Hunt als seine Ehefrau ist sehr glaubwürdig, James Cromwell verleiht dem Gefängnisdirektor die richtige Statur, Michael Jeter als der bei der Hinrichtung grausam gequälte Häftling Paul Delacroix gibt eine erschütternde Charakterstudie. Aber das wirkliche Schauspieler-Ereignis des Films ist Michael Clarke Duncan als der so riesenhafte wie geheimnisumwitterte John Coffey.

    "Durch diesen Film wird er dem Publikum ein Begriff werden", erklärt Darabont und hat damit völlig Recht. Dem 1,95 Meter großen und 140 Kilo schweren Mann aus Chicago nimmt man alles ab, er gibt mit seinem müden Kinderblick, mit seinem klaglos bis zur letzten Konsequenz ertragenen Leiden an der Gemeinheit der Welt der Geschichte jene tiefe Würde, die auch die unwahrscheinlichsten Wundertaten beglaubigen hilft. Unbedingt herausgestellt werden muss ferner die Leistung des Produktionsdesigners Terence Marsh, ein Brite und zweifacher Oscar-Preisträger. Seine Bauten und sein unfehlbarer Sinn für die Dramaturgie der Räume lohnen allein den Besuch eines Films, der zum Klassiker werden dürfte.

    Wolfgang Hübner, AP

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Onliner vom Dienst

    Redakteur

    Maximilian Eckhardt

    Mail | 0261/892743

    Abo: 0261/98362000

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Das Wetter in der Region
    Donnerstag

    -1°C - 5°C
    Freitag

    2°C - 6°C
    Samstag

    4°C - 8°C
    Sonntag

    4°C - 8°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    UMFRAGE
    Thema
    Rock am Ring geht zurück

    Das Rockfestival findet 2017 nicht mehr in Mendig, sondern wieder am Nürburgring statt. Was sagen Sie zu diesen Neuigkeiten?

    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!