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  • Kritik: Dani Levys amüsante ZockerKomödie

    Früher in der DDR war er eine große Nummer, der Sportreporter Jaecki Zucker (Henry Hübchen), aber mittlerweile steht ihm das Wasser bis zum Hals. Der Gerichtsvollzieher droht mit Pfändung, Ehefrau Marlene (Hannelore Elsner) mit Scheidung. Zuckers letzte Chance scheint der Hauptpreis bei einem Billard-Turnier zu sein, aber dann stirbt seine Mutter, und für den passionierten Spieler geht der Schlamassel erst richtig los.

    Der Berliner Regisseur Dani Levy («Väter») hat in nur 23 Drehtagen eine kleine, aber feine und pointierte Komödie in Szene gesetzt - mit wunderbaren Schauspielern und einem irrwitzigen Plot. Levy erzählt höchst fintenreich und amüsant die Geschichte einer jüdischen Familie, die durch den Tod der Mutter wieder zusammenfindet.

    Reichlich meschugge, diese Mischpoke, allen voran Jaecki, der sich selbst larmoyant als «Wendeverlierer» beschreibt. Seit 40 Jahren hat er seinen in Frankfurt am Main lebenden Bruder (Udo Samel) nicht mehr gesehen. Jetzt muss sich Zucker, arm wie eine Kirchenmaus, mit dem zu Wohlstand und Ansehen gekommenen Samuel versöhnen und gemeinsam ein siebentägiges Totengedenken, die «Schiwa» feiern.

    Nicht richtig koscher

    So steht es geschrieben im Testament der Mutter. Bei Missachtung ist das Erbe futsch. Über die Einhaltung des Letzten Willens wacht der unerbittlich strenge Rabbi Ginsberg (Rolf Hoppe). Nolens volens raufen sich Jaecki und Marlene zusammen, spielen die perfekte jüdische Familie, nur richtig koscher ist die Sache natürlich nicht.

    «Ich bin kein Konsensfilmemacher», sagt Regisseur und Drehbuchautor Levy, der natürlich mit Klischees über Juden spielt, aber: «Juden können mit sich schonungslos umgehen, politisch unkorrekt, selbstironisch. Jüdischer Humor betrachtet Menschen liebevoll, ist frech, ohne dabei in die Klamotte abzugleiten.»

    Nicht ganz ohne Klamauk

    Ganz ohne Klamauk kommt Levy in seiner hochtourigen Komödie allerdings nicht aus. Bei der Beerdigung der Mutter fällt Zucker ins Grab, später tapst Bruder Samuel im Ecstasy-Rausch in einen Massage- Salon, wo ihn eine Palästinenserin verwöhnt.

    Den glänzend aufgelegten Schauspielern jedenfalls scheinen die flotten Dreharbeiten richtig Spaß gemacht zu haben. Henry Hübchen windet sich als Stehaufmännchen und unverbesserlicher Zocker herrlich verschmitzt und breit berlinernd durch das Familien-Chaos - eine großartige Vorstellung. Hannelore Elsner entdeckt ihr Faible fürs Komische, Udo Samels Humor blitzt hintergründig auf. Insgesamt ein tolles Ensemble, das diese von Kameramann Charly F. Koschnick zumeist in warmes, gelbes Licht getauchte Komödie trägt.

    dpa

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