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  • Kritik: : Dana Vavrovas Regiedebüt "Hunger"

    München (dpa) - Schätzungsweise drei Millionen Frauen in Deutschland leiden an Bulimie: Sie kommen aus dem erniedrigenden Teufelskreis zwischen Freßanfällen und Kotzen nicht mehr heraus. Die Münchner Schauspielerin Dana Vavrova, Star vieler Filme ihres Mannes Joseph Vilsmaier ("Herbstmilch", "Schlafes Bruder"), hat in ihrem Regiedebüt das oft verdrängte Thema aufgegriffen. Mit "Hunger - Sehnsucht nach Liebe" versucht sie eine Gratwanderung zwischen deutschem Problemfilm und romantischer Lovestory. Am Donnerstag (4.9.) kommt der mutige Erstling bundesweit in die Kinos.

    Hauptfigur Laura (Catherine Flemming) ist eine Frau wie aus dem Bilderbuch: jung, erfolgreich und schön. Aber die Fassade trügt. Im Tresor ihres Büros hortet die Karrierefrau Berge von Schokoriegeln, der Kühlschrank daheim quillt über von Fressalien. Und immer wieder packt Laura die elende Gier, alles besinnungslos in sich hineinzustopfen. Als sie den jungen, unkomplizierten Graffiti-Künstler Simon (Kai Wiesinger aus "14 Tage lebenslänglich") kennenlernt, droht die Beziehung an ihrer geheimen Sucht fast zu zerbrechen.

    "Laura sehnt sich nach Leben und Liebe - wie wir alle", erklärt Vavrova. "Aber sie liebt sich selbst nicht genug: Sie hat Angst, den Anforderungen anderer nicht standzuhalten und flüchtet in eine Sucht." Eigentlich sollte die 30jährige gebürtige Tschechin die Rolle einer Bulimikerin einst selber spielen. Das Projekt platzte, aber das Thema hatte sie gepackt. Scheu, in die Fußstapfen ihres Mannes zu treten, hatte "die Vilsmaierin" dabei nicht: "Das war bei uns nie so, daß er der Herr Regisseur war und ich 'nur' die Schauspielerin. Wir haben immer zusammen an Filmen gearbeitet."

    Ein Glücksgriff bei dem gut vier Millionen Mark teuren Projekt ist die Hauptdarstellerin. Catherine Flemming ("Rohe Ostern", "Der rote Schakal") gelingt es, in schonungsloser Offenheit den inneren Zwiespalt ihrer Figur zu zeigen. Sie habe die Laura nicht gespielt, sondern gelebt, sagte die 30jährige Berlinerin kürzlich. Selbst die Brech-Szenen - bisweilen hart am Erträglichen - sind "echt". Einmal steht die suchtkranke Frau danach in der Dusche, als könne sie sich die Scham vom Körper kratzen.

    Trotzdem behält die Geschichte nicht immer Bodenhaftung. So manches klingt nach Grundkurs Psychologie. Und die Figuren um Laura herum haben in ihrem Schwarz-Weiß-Zuschnitt kaum die Chance, Hintergründe und Zusammenhänge wirklich zu erklären. Auch optisch wird dem Zuschauer einiges abverlangt: Durch Licht- und Verfremdungseffekte wechselt Vavrova zwischen verschiedenen Erzählebenen. Bei den ständig kreisenden Bewegungen einer eigenwilligen Kamera (Peter von Haller) kann das Auge häufig aber nur taumelnd folgen.

    Für Bulimie-Kranke ist ein Ausstieg aus der Sucht besonders schwer, weil sie tagtäglich mit ihrer "Droge" weiterleben müssen. "Das Essen kann mir keiner wegnehmen wie die Flasche oder die Spritze", sagt Laura zu ihrer Mutter. "Ich muß es allein schaffen." Fürs Happy-End macht's dann aber doch "schnipp" - und die Probleme sind wie weggezaubert. "Wenn das Publikum mag, was und wie ich erzähle, ist ein nächster Film nicht ausgeschlossen", sagt Vavrova. "Ansonsten ist es ein zu teurer Spaß."

    Von Nada Weigelt, dpa

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