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  • Kritik: Da tanzt der Pinguin!

    Spätestens in der Grundschule wird es klar: Der junge Pinguin Mumble kann nicht singen. Wenn der lustige Bursche seinen spitzen Schnabel öffnet, halten sich alle die Flossen vor die Ohren. Und wer im Reich der Kaiserpinguine nicht singen kann, bleibt einsam.

    Aber Mumble tanzt exzellent, und hat auch schon ein Auge auf die coole Gloria geworfen - vielleicht kann man ja auch mit den Füßen singen.

    Es hilft alles nichts, der steppende Pinguin wird von seinem Volk in die Eiswüste geschickt. Wie der gebrandmarkte Außenseiter dennoch versucht, seine Sippe vor einem drohenden Unheil zu bewahren, davon erzählt dieser hinreißende Eisschollen-Thriller.

    Der australische Regisseur, Drehbuchautor und Produzent George Miller, der in den 90er Jahren die beiden ebenso saukomischen wie tiefsinnigen «Schweinchen-Babe»-Filme realisiert hat, kehrt nach acht Jahren mit einem brillanten Animationsfilm auf die Leinwand zurück.

    Die akribische, jahrelange Vorbereitungszeit scheint sich auszuzahlen. In den USA und Kanada stürmte «Happy Feet» am Startwochenende mit 42,3 Millionen Dollar (33 Millionen Euro) Einnahmen die Kinocharts - und zeigte damit selbst James Bond die kalte Schulter.

    Einem eher rundlich-mopsigen Pinguin das Tanzen beibringen - auf die Idee muss man erst einmal kommen. Der amerikanische Stepptänzer und Broadway-Star Savion Glover lieferte die realen Vorlagen und Choreografien, die dann mit dem «Motion-Capture»-Verfahren digitalisiert und vervielfältigt wurden. Schließlich swingen Tausende Pinguine wie eine schwarze Welle im Takt von Freddie Mercurys «Somebody to love».

    Miller und sein vielköpfiges Team brennen ein visuelles Feuerwerk ab: Eine Horde Jungpinguine stürzt sich jubelnd per Kopfsprung von einem turmhohen Eisberg in das blaue Meer, es entspinnt sich ein fantastisches Unterwasser-Ballett, mit Stafetten und Pirouetten, dass einem fast schwindlig wird. Dazu läuft «Do it again» von den Beach Boys, und die ganze Sequenz strahlt in einem fast surrealen Anstrich.

    Oder der Himmel leuchtet grün und violett wie einer psychedelischen Vision, während befrackte Party-Pinguine unter der kosmischen Glitzerkugel im Disco-Beat die Nacht zum Tag machen. Jede einzelne Feder glänzt im Licht.

    Dabei ist die weiße Welt schon lange nicht mehr in Ordnung. «Wir haben einen Knoten in unserer Nahrungskette», meint einer der frechen Latino-Pinguine, mit denen sich Mumble auf eine Reise zu den zweibeinigen «Aliens» macht. Die fischen die Antarktis leer, greifen sich den protestierenden Mumble und sperren ihn in den Zoo.

    Spätestens an dieser Stelle ist von süßlicher Pinguin-Plüschigkeit nichts mehr übrig: «Happy Feet» zeigt schonungslos die Kommerzialisierung der Natur auf. Ein düsterer Grundton zieht sich, ganz ähnlich wie schon im zweiten «Babe»-Film, auch durch diese Geschichte.

    Mumble bleibt trotz seiner flinken Füße ein Außenseiter. Wenn er am Ende ergraut nach Hause zurückkehrt, ist er zwar der Retter des Volkes, aber seine Gloria ist längst vergeben. Ein Happy End sieht anders aus.

    In der Originalfassung haben Stars wie Nicole Kidman, Robin Williams, Elijah Wood, Hugh Jackman oder Brittany Murphy den Pinguinen ihre Stimmen geliehen. Ben Becker und Rick Kavanian sind die prominenten Sprecher in der deutschen Fassung. Von Johannes von der Gathen, dpa

    dpa

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