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  • Kritik: Cowboy-Romantik mit Tücken

    Es waren einmal zwei beste Freunde in Texas, die nichts mehr zu verlieren hatten. Nur ihre Pferde waren ihnen geblieben, und so ritten sie ins Blaue hinein, ein Lied auf den Lippen: "I'm a poor lonesome cowboy".

    Nein, nein, gesungen wird nicht im Westernmelodram "All die schönen Pferde", auch wenn dem europäischen Betrachter das letzte Bild von Lucky-Luke-Comics in den Sinn kommt, wenn John Cole und Lacey Rawlins durch ausgedörrte Felslandschaften reiten.

    Doch parodistisch ist die Marlboro-Szenerie gerade nicht, und was die beiden jungen Männer bewegt, wird schmerzlich spürbar: Coles Mutter verkauft die heimatliche Ranch. Cole (Matt Damon), der nichts so sehr liebt wie seine Freiheit und das weite Land, bricht alle Brücken hinter sich ab und zieht mit seinem besten Kumpel Rawlins (Henry Thomas) gen Süden. Die beiden überqueren den Rio Grande - jenen Grenzfluss, der nur wenige Jahre später von unzähligen Armutsflüchtlingen in umgekehrter Richtung durchschwommen werden wird -, lernen unterwegs den kindlichen Desperado Blevins kennen, einen Pferdedieb, und trennen sich wieder von ihm.

    Derbe Bluejeans als Arbeitskleidung

    Nach einem langen Ritt gelangen sie zum Anwesen des reichen Rancheros SeNor Rocha. Besonders Cole, der es schafft, innerhalb von vier Tagen 16 Wildpferde zuzureiten, erwirbt sich die Hochachtung von Rocha, der mit seiner Hilfe Edelpferde züchten will. Beeindruckt ist aber auch Rochas ungezähmte Tochter. Cole und die schöne Alejandra ziehen sich an wie zwei Magneten, und trotz Warnungen beginnen sie eine leidenschaftliche Affäre. In Mexiko aber, wo die Ehre eines Mädchen über alles geht, ist ihre Liebe lebensgefährlich. Rocha lässt Cole und Rawlins unter falschen Anschuldigungen ins Gefängnis stecken, wo sie die Hölle auf Erden erleben.

    Die Handlung spielt im Jahre 1949, als man längst auf Autos umgestiegen und der Beruf des Kuhhirten schon nostalgisch verklärt war. Nur die derben Bluejeans, die Cole und Rawlins tragen, erfüllen noch ihren ursprünglichen Zweck als Cowboy-Arbeitskleidung und sind noch nicht als allgegenwärtige Jugenduniform präsent. Die beiden Jungs wollen von ihrem Traum nicht lassen, der durch die Ereignisse jedoch zum Albtraum wird.

    In der Latino-Rolle der übliche Verdächtige

    Das sehr schön fotografierte Epos ist ein Hohelied auf die Freiheit und die Jugend, samt ihrem Recht, Dummheiten zu begehen. Nur teilweise gelingt es Regisseur Billy Bob Thornton indes, die rückwärts gewandte Romantik der Romanvorlage von Cormac McCarthy nachzuempfinden. Allzu diffus bleibt schon die Geographie, oft ist die Handlung sprunghaft und die Entwicklung der Charaktere nicht recht nachvollziehbar. Das mag daran liegen, dass das ursprünglich vierstündige Werk auf zwei Stunden gekürzt werden musste.

    Vorzüglich ist das Schauspielerensemble, dessen Zusammensetzung aber schon beweist, wie schwierig es ist, frische Akzente in einem Spätwestern zu setzen: der Rocha-Darsteller Ruben Blades, auch als Salsa-Sänger und Politiker berühmt, ist stets "der übliche Verdächtige" für Latino-Charaktere. Und die bezaubernde Madrilenin Penelope Cruz als Alejandra war just zuvor in einem anderen Spätwestern, in Stephen Frears "Hi Lo Country", in fast der gleichen Rolle zu sehen.

    Mexiko ist wieder nur der Hort des Bösen

    Atmosphärisch und ästhetisch ist die Pferdeoper wegen ihrer großartigen Bilder aber durchaus ein Genuss. Niemand scheint sich jedoch daran zu stören, dass Mexiko erneut (wie in "Traffic", um nur den bekanntesten US-Film zu nennen) undifferenziert als Hort des Bösen, bevölkert von schmierigem, korruptem und primitivem Gesocks vorgeführt wird. Thornton, mit einem Oscar ausgezeichnet (für "Sling Blade"), mehrfach nominiert, und bekannt für seine sensiblen, unprätentiösen Inszenierungen, macht da leider keine Ausnahme. Auch bei ihm scheint das Land gerade gut genug als Abenteuerspielplatz, nostalgische Projektionsfläche und zur moralischen Erziehung von jungen US-Amerikanern.

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