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  • Kritik: Corinna Harfouch spielt tschechische Autorin

    Drei Briefe, die ihren Empfänger nie erreicht haben, sind der Stoff für den neuen Film mit Corinna Harfouch. In «Durch diese Nacht sehe ich keinen einzigen Stern» spielt sie die berühmte tschechische Schriftstellerin Boena Nemcová, die schwer krank und vereinsamt einen letzten Brief an einen Freund und Gönner schicken will. Doch sie ringt mit den Worten.

    «Es muss schöner werden», sagt sie immer wieder und greift erneut zu Feder und Tinte. Drei Mal fängt sie den Brief an. Schließlich stirbt sie 1862, ohne ihn zu vollenden.

    Die Briefe waren die letzten Zeilen der Schriftstellerin, die durch ihren Roman «Großmutter» bekannt geworden ist. Sie sind 1920 unvollständig, 1995 erstmals vollständig unter dem Titel «Durch diese Nacht sehe ich keinen einzigen Stern» veröffentlicht worden.

    Der Film von Drehbuchautorin und Regisseurin Dagmar Knöpfel ist keine Biografie, sondern ein Film über das Schreiben. Corinna Harfouch spielt überzeugend die lebenslustige Autorin, die vor den Augen ihres Ehemannes mit Verehrern flirtet und tanzt, in der Prager Szene ausgiebig feiert, laut lacht und raucht - skandalös für eine Frau im 19. Jahrhundert.

    Ihr Ehemann (Boleslav Polívka, einer der bekanntesten Schauspieler in Tschechien) wünscht sich aber keine erfolgreiche Autorin, sondern eine gute Hausfrau als Gattin. Doch dieses Leben ist Boena Nemcová zuwider: «Im Haushalt bin ich nur eine seelenlose Maschine. Ich muss schreiben...». Nemcovás geliebter Sohn stirbt, das Verhältnis zu ihrem Mann verschlechtert sich, sie und ihre Kinder hungern, eine Krankheit schwächt sie, schließlich flieht sie vor ihrem gewalttätigen Mann.

    Der Film ist keine leichte Kost. Er gibt den Zuschauern fast zwei Stunden lang ergreifende Einblicke in das Leben einer mutigen Frau, die ihrer Zeit voraus war. Vor dem Film brachte Dagmar Knöpfel den Drehbuchtext bereits auf die Bühne. Das Stück wurde im Herbst 2000 im Stadttheater Heilbronn uraufgeführt. Das zuvor noch so ausgelassene Publikum saß nach der Aufführung bedrückt und schockiert in den Sesseln - ebenso wie nun die Kinobesucher.

    Die letzten Tage verbringt die Schriftstellerin hungrig, geschwächt und fiebrig in einer kargen Kammer. Beim Schreiben an den Freund kommen Erinnerungen zurück: An ihre Kindheit und die Großmutter, ihre Kinder, ihre Liebhaber, ihre Kämpfe mit dem harten Ehemann, ihre Träume, Wünsche und Sehnsüchte. Eine Karriere als Schriftstellerin, Familie, Kinder, leidenschaftliche Liebe - für das 19. Jahrhundert waren das zu viele Wünsche für eine Frau.

    «Es muss schöner werden», wiederholt die dem Tod Geweihte und kämpft auch dann noch um die richtigen Worte, als sie von Bauchkrämpfen geschüttelt wird. Es scheint, als hätte Boena Nemcová nicht nur nach schöneren Worten gesucht, sondern auch nach einem schöneren Leben. Bei ihrer eigenen Beerdigung spricht die Autorin aus dem Off und wünscht sich, sie hätte 200 Jahre später gelebt.

    dpa

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