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  • Kritik: Computeranimiertes Insekten-Comical

    Einer ist unzufrieden. Das ist bei Menschen nichts Ungewöhnliches. Aber Z-4195 ist kein Mensch, sondern eine Ameise. Und bei dieser Spezies herrscht bekanntlich Zucht und Ordnung. Genau das ist es, was dem aufsässigen Arbeiterinsekt nicht gefällt. Es muß doch noch ein anderes Leben geben als immer nur die Plackerei unter dem Parkrasen, über den gigantische Wesen mit furchterregenden Turnschuhsohlen stampfen.

    Z-4195 hat Glück, denn er begegnet einer schönen Prinzessin, überlebt als einziger einen Feldzug gegen die Termiten, begegnet den Segnungen von Kaugummi und Coca Cola, schließlich wird er gar noch zum Helden. Manchmal ist es doch schön, Ameise zu sein...

    Es gibt Filme, in denen ist von der ersten Minute, der ersten Szene an etwas falsch und verlogen. In "Antz" zum Beispiel liegt anfangs eine Ameise auf der Couch eines Psychiaters und jammert mit der deutschen Synchronstimme Woody Allens über das frustrierende Los eines Individualisten in der streng organisierten Massengesellschaft des fleißigen Krabbelvölkchens. Das soll der der Hauptfigur Z-4195 sogleich die Sympathie des Betrachters sichern. Wer ist schließlich nicht gegen Konformismus und Zwang? Und gibt es noch jemanden, der sich nicht als Querdenker empfindet?

    Aber weil diese Art Individualismus eine Ware zum Schleuderpreis geworden ist, ödet er gewaltig an. Daß die Trivialität der Botschaft des am 5. November in Deutschland anlaufenden Streifens besonders auffällig wird, liegt in dem Auseinanderklaffen zwischen dem anbiedernden Inhalt und der supermodernen Form begründet. Denn "Antz" ist nach "Toy Story" der zweite vollständig computeranimierte Spielfilm in der Geschichte des nun über hundertjährigen Mediums. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß dieses Produkt aus der Spielberg-Werkstatt Dreamworks technisch einen neuen Höhepunkt in einer wahrlich atemberaubenden Entwicklung darstellt.

    Was die Spezialisten der weltweit führenden Computeranimationsfirma PDI in den etwa 1.200 Einstellungen "gezaubert" haben, ist ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung eines Kinogenres, das die Zukunft in heute noch nicht abzusehender Weise mitbestimmen wird. Und zwar schon allein deshalb, weil computeranimierte Streifen deutlich kostengünstiger sind als traditionelle Zeichentrickfilme. Ihre Ausdrucksmöglichkeiten, bei "Antz" vor allem die Dreidimensionalität, zeigen sich zumal dem alten Genre deutlich überlegen. Und sie sind sicher noch längst nicht einmal annähernd ausgeschöpft.

    Doch gerade weil die neue Form dieser Filme eine wirkliche Revolution darstellt, deren - auch beängstigende - Auswirkungen kaum überschätzt werden können, verlangt der computeranimierte Film nach kreativen Köpfen und phantastischen Ideen, die sein Potential erst richtig zur Wirkung bringen könnten. "Antz" beweist, daß die Entwicklung der Technik derzeit vorauseilt und deshalb einfallslose Geschichten mit konventioneller Dramaturgie wie "Antz" blaß erscheinen läßt. Aber es ist wohl so, wie es kürzlich der Filmpublizist Georg Seeßlen formuliert hat: "Auch die so allmächtig erscheinende neue Bildmaschine darf am Ende nur Bilder erzeugen, die sowieso in unserem Kopf sind."

    Wolfgang Hübner, AP

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