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  • Kritik: "Cold Comfort Farm" von John Schlesinger vergnüglich verfilmt

    Frankfurt/M (AP) In den Geschichten von Jane Austen wie "Emma" tragen die Frauen Spitzenkleider und treiben Konversation beim Müßiggang auf makellos grünem Rasen. Auf der "Cold Comfort Farm" versinken die Schuhe tief im mistdurchtränkten Boden, und statt zarter Kekse auf dem Silbertablett gibt es einen kräftigen Schlag grauer Getreidepampe auf den Teller. Das Buch "Cold Comfort Farm" entstand 1932 als Parodie auf die damals populären schwülstigen Landromane. Regisseur John Schlesinger hat daraus eine Komödie mit vergnüglichen Pointen gedreht; am Donnerstag kommt sie in die deutschen Kinos.

    Auf dem heruntergekommenen Bauernhof im England der 30er Jahre wirtschaftet die skurrile Starkadder-Sippe, Verwandte der 19jährigen Flora Poste. Die verwöhnte, etwas snobistische junge Dame steht nach dem Tod ihrer Eltern plötzlich mittellos da und besinnt sich deshalb auf ihre Verwandtschaft. Flora träumt von einer Zukunft als Schriftstellerin und möchte dafür das "richtige Leben" kennenlernen. Die rätselhaften Andeutungen der Verwandten von der Cold Comfort Farm wecken ihre Neugier.

    Da ist die alte Hausherrin Ada Doom, die immer wieder mit schicksalsschwerer Stimme sagt, sie habe "etwas Schreckliches im Holzschuppen" gesehen. Den Hang zum Theatralischen und düsteren Ahnungen hat sie an Tochter Judith vererbt, eine früh gealterte Fünfzigerin. Deren Ehemann Amos bringt die Dorfbewohner als eifernder Laienprediger mit Schreckensvisionen vom Jüngsten Gericht zum Zittern. Die Farmarbeit überläßt er den zwei Söhnen. Seth ist ein Frauenheld mit machohaftem Getue, der wortkarge Reuben schuftet sich auf dem Feld ab. Auf der Farm lebt außerdem die verträumte Elfine, die dem rüpelhaften Urk Starkadder zur Ehe versprochen ist, aber den attraktiven Jungmann vom Nachbarhof heimlich trifft.

    Flora schrecken weder ihr schmutzstarrendes Zimmer noch das ländlich derbe Verhalten der Sippe. Mit erfinderischem Geist und Elan geht sie daran, frischen Wind in die Cold Comfort Farm und die Köpfe ihrer Bewohner zu bringen. Als gute Fee lenkt sie Schicksale in die richtigen Bahnen und bringt Liebende zusammen. Nach und nach bekommen alle ihre Wünsche erfüllt, auch wenn diese ihnen bis dahin noch gar nicht bewußt waren.

    Die wundersamen Wandlungen auf der Cold Comfort Farm hat Altmeister Schlesinger mit gekonnter Hand inszeniert. Drehbuchautor Malcolm Bradbury hat die unterschiedlichen komischen Nuancen der Romanvorlage von Stella Gibbons klar herausgearbeitet: "Von der literarischen Parodie entwickelt sich der Handlungsstrang zur Farce, von warmherzigem Humor zu einer Art Märchen", erklärt er. Die Filmbilder geben diese facettenreiche Komik vom ironischem Grundton bis zu den farcehaften Zuspitzungen wieder, ohne den realistischen Anstrich der Geschichte ins Possenhafte abgleiten zu lassen. Schlesinger macht sich lustig über das Genre, denunziert es aber in keiner Weise.

    Auch mit der Besetzung der Rollen lag der Regisseur so unterschiedlicher Filme wie "Asphalt Cowboy" und "Marathon Man" goldrichtig: Die Hauptrolle spielt die mädchenhafte Kate Beckinsale, die in Kenneth Branaghs Film "Viel Lärm um nichts" eine fälschlich der Untreue bezichtigte Frau darstellte.

    Von AP-Korrespondentin Inge Treichel

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