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  • Kritik: "Clubbed to Death"

    Hamburg (dpa) - Innerhalb der von Individualismus geprägten Jugendkultur der 90er Jahre gibt es ein Genre, das es geschafft hat, Menschen aus ganz unterschiedlichen sozialen Schichten zusammenzubringen: die Musik, genauer gesagt: Techno. Gemeinsam tanzen hier alle bis zum Umfallen zu den wortlosen elektronischen Rhythmen, sei es auf der Berliner Love Parade oder in den Szene-Clubs der europäischen Metropolen. In dem Umfeld eines solchen Clubs erzählt die französische Filmemacherin Yolande Zauberman mit "Clubbed to Death" eine bezaubernde Liebesgeschichte.

    Die 20jährige Lola schläft nachts in einem Bus ein und erwacht an der Endhaltestelle in einer ihr unbekannten Welt. In einem Techno- Club lernt sie Emir (Roschdy Zem) kennen, der sich als Kleindealer und Gelegenheitsboxer betätigt. Die beiden verlieben sich ineinander, und Emir findet in Lola die Frau, die ihn aus der Lethargie seines emotionslos gewordenen Lebens herausreißen könnte. Doch sein Hang zu Drogen und seine Beziehung zu der Tänzerin Saida ("Betty Blue" Beatrice Dalle) lassen es bald fraglich erscheinen, ob aus der Begegnung mit Lola mehr als nur eine kurze Affäre werden kann.

    "Clubbed to Death" ist kein Film, der von großer Handlung lebt. Auch mit Dialogen ist Yolande Zauberman sehr sparsam umgegangen. In den langen Pausen zwischen den meist wortkargen Gesprächen regiert die Musik. Dennoch ist "Clubbed to Death" kein Musikfilm, denn die Musik unterstreicht nur gekonnt die Atmosphäre, die Lola und Emir mit wenigen Worten, dafür aber um so intensiveren Blicken und Gesten aufbauen. Besonders Elodie Bouchez, international bisher kaum bekannt, überzeugt durch ihr glaubwürdiges und ausdrucksstarkes Spiel. Auch Beatrice Dalle gelingt es, mit einem einzigen Blick ihre unglückliche Liebe zu Emir glaubwürdiger zu vermitteln, als ausufernde Dialoge dies je könnten.

    "Ich wollte mit meinem Film keinesfalls ein Porträt der Techno- Szene machen", erzählt Yolande Zauberman. "Lola ist nur ein Symbol für alle verliebten Frauen der 90er Jahre." Dennoch wirken viele Szenen des Films ausgesprochen authentisch. Zauberman kommt vom Dokumentarfilm und hat ihren Kameramann Denis Lenoir fast ausschließlich mit geschulterter Kamera drehen lassen. Die Bilder bekommen dadurch eine atmosphärische Dichte und Bewegtheit, die dem Zuschauer den Eindruck vermittelt, tatsächlich in die Welt der Raver einzutauchen. Auch die Tanzpassagen wurden bei voller Musiklautstärke gedreht und vermeiden dadurch jeden Eindruck von Künstlichkeit.

    Die Regisseurin war bei ihren Recherchen für "Clubbed to Death" von dem fast religiösen Charakter der Techno-Feiern beeindruckt. "Es ist etwas in den Leuten, ein besonderes Gefühl, das sich nicht mit Worten ausdrückt, sondern in den Bewegungen der Körper", meint sie. In ihrem Film gelingt es ihr, ein Stück von diesem Gefühl auf die Leinwand zu bringen.

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