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  • Kritik: Clint Eastwood als Freund des Feindes

    Unmittelbar nach «Flags of Our Fathers» beleuchtet Regisseur Clint Eastwood in «Letters of Iwo Jima» erneut in einem Spielfilm das Aufeinanderprallen von US-amerikanischen und japanischen Truppen auf der Pazifikinsel Iwo Jima im Jahr 1944.

    Anlässlich der deutschen Erstaufführung während der 57. Internationalen Filmfestspiele Berlin löste der Film bei Zuschauern und Kritik ein kontroverses Echo aus. Es gab sowohl Beifall als auch Buh-Rufe.

    Eastwood schildert die Ereignisse dieses Mal mit nahezu ausschließlichem Blick auf die japanische Seite. Die Intention ist deutlich: Der US-Amerikaner will sich dem Feind von einst als Freund nähern. In den USA brachte das dem Regisseur teilweise den Vorwurf des Anti-Amerikanismus ein. Ein völlig unverständlicher Vorwurf: Das Vorgehen der US-amerikanischen Armee wird nur in wenigen Szenen im Detail gezeigt, die Brutalität einiger US-Soldaten lediglich angedeutet.

    Auch für diesen Film schrieb Oscar-Preisträger Paul Haggis das Drehbuch: Während der US-Invasion auf der Insel Iwo Jima organisiert General Kuribayashi (Ken Watanabe, «The Last Samurai») die japanische Verteidigung. Obwohl seine Streitkräfte hoffnungslos unterlegen sind, leisten sie den US-Soldaten erheblichen Widerstand. Im Angesicht dieser verzweifelten Situation schreiben viele japanische Soldaten Abschiedsbriefe an ihre Angehörigen.

    Die Sicht des ehrlich um Völkerverständigung bemühten Regisseurs auf die Japaner allerdings ist recht fragwürdig. Die Soldaten zeigt Eastwood als das, was nahezu alle Soldaten in allen Kriegen dieser Welt waren und sind: zum so genannten Dienst am Vaterland verpflichtete «arme Schweine». Bei den Offizieren jedoch gibt es im Film zwei Sorten: die brutalen Fanatiker, die vom Heldentod für den Kaiser schwärmen und ihre Untergebenen schinden, und die humanistisch gebildeten Menschenfreunde. Letztere allerdings, und da wird es bedenklich, sind im Film ausschließlich Männer, die einen Teil ihrer Bildung in der westlichen Welt, vornehmlich in den USA, gewonnen haben.

    Formal bietet das fast zweieinhalb Stunden dauernde Epos nicht viel Bemerkenswertes. Zunächst wird in nahezu Schwarz-Weiß anmutenden Bildern das Klaustrophobische der auf der Insel Iwo Jima auf die US-amerikanischen Truppen wartenden Japaner gezeigt, dann in langen, blutigen Schlachtsequenzen, wie es sie schon oft im Kino gab, die Sinnlosigkeit des Tötens beschworen. Dem, was Filme seit «Im Westen nichts Neues» (1930) über die Unmenschlichkeit des Krieges erzählen, hat Clint Eastwood mit diesem Film nichts hinzuzufügen.

    Peter Claus, dpa

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