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  • Kritik: Charmante Komödie

    Der leitende Angestellte Shohei Sugiyama hat alles, was ihn nach japanischen Maßstäben glücklich machen sollte: eine verständnisvolle Frau, eine Tochter und ein Haus in einem Vorort von Tokio.

    Jeden Tag pendelt er per Fahrrad und U-Bahn ins Stadtzentrum und leitet pflichtbewußt die Buchhaltungsabteilung seines Büros. Im täglichen Trott kann ihn jedoch irgendwann selbst das Glas Bier mit den Kollegen nach getaner Arbeit nicht mehr aufmuntern. Er wird müde und apathisch.

    Aus der überfüllten U-Bahn heraus bewundert er jeden Abend eine hübsche junge Frau, die am Fenster einer Tanzschule stehend melancholisch in die Dunkelheit schaut. Eines Abends faßt sich Sugiyama ein Herz und steigt an der Schule aus. Mit einem Anfängerkurs beginnt sich sein Leben zu ändern. Er blüht auf und startet mit seinem neuen Hobby in ein befreiendes Doppelleben.

    Regisseur und Autor Masayuki Suo wollte mit der japanischen Komödie "Shall we dance?" den "ganz normalen japanischen Mann" auf die Leinwand bringen. Und das ist ihm trefflich gelungen. Großraumbüro, U-Bahn-Lärm und die spärlichen Worte mit der Ehefrau zuhause: Detailfreudig und -genau zeichnet Suo den Alltagstrott in Japan mit viel Humor nach. Der verschüchterte Sugiyama und seine Tanzkollegen zeigen, daß sich viele Menschen in der scheinbar perfekt funktionierenden Gesellschaft nach Freiheit, nach einem Ausbruch aus der Regel, sehnen.

    Nachdem Sugiyama von der schönen Tänzerin Mai zurückgewiesen worden ist, vertieft er sich in sein neues Hobby und geht in Walzer, Quickstep und Rumba auf. Im Büro und vor seiner Familie hält er seine Leidenschaft jedoch geheim. Denn in Japan, wo Berührungen zwischen Mann und Frau weniger alltäglich und ausgeprägt sind, gilt der Gesellschaftstanz gerade für Männer als anzüglich. Nachdem es zur Aussprache mit seiner Frau gekommen ist, die ihn durch einen Privatdetektiv hat beschatten lassen, will Sugiyama deshalb das Tanzen ganz aufgeben. Auch am Ende bleibt fraglich, ob er die Kluft zwischen seinem befreienden Hobby und dem biederen Familienleben aufbrechen kann oder dieses Wagnis letztendlich scheut.

    "Shall we dance?" ist nicht nur eine Tanzkomödie. "Der Film fordert auf, das Vertrauen für einen ersten Schritt auf einem neuen Pfad zu haben", erklärt Regisseur Suo. Das Leben wolle erprobt sein, um verstanden zu werden. "Shall we dance?" vermittelt diese Botschaft, ohne sie in Worte zu fassen und belehrend zu wirken. Suo beschränkt sich auf die Schilderung seiner Geschichte mit interessanten Nebencharakteren wie der stolzen Profitänzerin Mai oder Aoki, dem gehänselten Arbeitskollegen Sugiyamas.

    Kleine symbolhafte Gesten vertiefen und verdeutlichen die Handlung. So zögert Sugiyama, als er vor der Tanzschule steht, den ersten Schritt hinein wirklich zu wagen. Als er umkehren will, stößt er mit einer Frau zusammen und stolpert so in den Empfangsraum und sein neues Hobby. Symbolhaftigkeiten werden jedoch überstrapaziert, wenn die schöne Tänzerin Mai erzählt, sie habe lange daran gelitten, daß ihr Partner sie bei einem Turnier fallen gelassen und nicht beschützt habe. Insgesamt jedoch verzaubert "Shall we dance" durch seine beschwingte Musik, eine überzeugende schauspielerische Leistung und eine fröhlich und zugleich nachdenklich stimmende Handlung.

    Nicole Bastian, dpa

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