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  • Kritik: Caroline Links Regiedebüt "Jenseits der Stille" kommt zu Weihnachten in die Kinos

    Frankfurt/M (AP) Auf einem zugefrorenen Weiher tanzen eine schöne Frau und ein Mädchen mit Schlittschuhen übers Eis. Die Kamera zeigt auf einmal eine äußerst ungewöhnliche Perspektive: Sie blickt von unten durch die zerschrammte Eisdecke. Dieses wunderbare Sinnbild für die Welt der Gehörlosen hat Regisseurin Caroline Link an den Anfang ihres Films "Jenseits der Stille" gesetzt, der am kommenden Donnerstag in die Kinos kommt.

    Es ist die Geschichte des Mädchens Lara, die von frühester Kindheit an die Verbindung zwischen ihren gehörlosen Eltern und der Außenwelt darstellt. Die Achtjährige begleitet ihre Eltern zu Kreditverhandlungen in die Bank, übersetzt Liebesfilme im Fernsehen für ihre Mutter und das Rieseln des Schnees für ihren Vater. Sogar die Ermahnungen ihrer Lehrerin dolmetscht Lara mit der Gebärdensprache, allerdings sehr frei. Beim Weihnachtsfest im Haus der Großeltern begegnet sie ihrer Tante Clarissa. Die erfolgreiche Jazz-Klarinettistin begeistert das Kind für das Instrument. Damit trifft sie bei Laras Vater Martin, ihrem Bruder, einen wunden Punkt. Seit seiner Kindheit fühlt er sich durch die Musik vom Leben seiner Schwester ausgeschlossen. Dasselbe scheint sich jetzt mit seiner Tochter zu wiederholen.

    Zehn Jahre später ist Laras Klarinettenspiel so gut, daß ihr Musiklehrer zu einer professionellen Ausbildung rät. Sie nimmt Clarissas Angebot an, zu ihr nach Berlin zu ziehen. Martin fühlt sich übergangen. Für ihn ist die Entscheidung seiner Tochter eine Entscheidung gegen ihn. In Berlin feiert Lara die gewonnene Freiheit geradezu schwelgerisch mit Clarissa. Doch das harmonische Einvernehmen zeigt bald Risse.

    Bei ihrer Ablösung aus der Welt der Eltern und von ihrem großem Vorbild lernt Lara Tom kennen, einen Taubstummenlehrer, bei dem sie Verständnis und Zuneigung findet. Als sie bei der Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule auf der Bühne steht, bahnt sich auch eine Verständigung mit ihrem verbitterten Vater an.

    "Ich bin ein absoluter Fan von hoffnungsvollen, optimistischen Enden", erklärt Regisseurin Link. "Jenseits der Stille" ist das Kinodebüt der 32jährigen. Angeregt dazu hat sie ein Artikel in einer amerikanischen Zeitung, in dem die Autorin über ihre Kindheit mit ihren gehörlosen Eltern erzählte. Das Drehbuch schrieb Caroline Link gemeinsam mit Beth Serlin.

    Die achtjährige Lara wird gespielt von Tatjana Trieb, die der Regisseurin auffiel, weil sie "etwas merkwürdig Erwachsenes und Ernstes" hatte. Ebenso wie sie mußte die französische Schauspielerin Sylvie Testud, die Lara mit 18 darstellt, für den Film die Gebärdensprache lernen und Klarinettenunterricht nehmen. Die Darsteller von Laras Eltern sind auch im wirklichen Leben gehörlos und haben vor allem am Theater große Erfolge vorzuweisen: die französische Schauspielerin Emmanuelle Laborit und der Amerikaner Howie Seago. Da sie verschiedene Gebärdensprachen beherrschen, erlernten sie für den Film die deutsche Version.

    Als Clarissa ist die Münchner Bühnenschauspielerin Sibylle Canonica zu sehen und als ihr Ehemann Matthias Habich. Tom wird gespielt von Hansa Czypionka, der seinen Durchbruch mit Doris Dörries Krimi "Happy Birthday, Türke!" hatte.

    Mit dem hervorragenden Schauspielerteam und dem ausgezeichneten Kameramann Gernot Roll ist der Regisseurin ein Kunststück gelungen. Abgesehen von einigen etwas zu demonstrativen Szenen am Anfang und der zu klischeehaften Rolle der Mutter, die wie im Werbefilm immer nur lächelt, hat Caroline Link es geschafft, die gefühlvolle Geschichte ohne Sentimentalität zu erzählen. Dazu trägt zu einem großen Teil die stimmungsvolle Musik des Schweizers Niki Reiser bei. Auch der Klarinettist Giora Feidmann gab in "Jenseits der Stille" ein kurzes Gastspiel.

    Der Film entstand als deutsche Produktion mit Unterstützung des Bayerischen und Süddeutschen Rundfunks, des Kulturkanals Arte, des Schweizer Fernsehens DRS und Mitteln der Filmförderung. Den Verleih hat die deutsche Disney-Tochter Buena Vista übernommen.

    Von AP-Korrespondentin Inge Treichel

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