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    Kritik: "Carla's Song" von Ken Loach

    Hamburg (dpa) - Als am 17. Juli 1979 sandinistische Widerstandskämpfer den nicaraguanischen Diktator Somoza aus dem Land vertrieben, war der Bürgerkrieg in dem mittelamerikanischen Land noch lange nicht zu Ende. Von den USA massiv mit Geld und Waffen unterstützt, versuchten nach dem Sturz Somozas die "Contras", die leidgeplagte Bevölkerung gewaltsam auf den "rechten" Weg zurückzuführen.

    In Europa wissen nicht viele von den Grausamkeiten, denen in Nicaragua auch Zivilisten ausgesetzt waren. Wie die politischen Verhältnisse im fernen Mittelamerika plötzlich auch für das Privatleben eines englischen Busfahrers Bedeutung erlangen, erzählt Ken Loach in "Carla's Song", einer gelungenen Mischung aus Roadmovie, Liebesfilm und politischem Statement.

    Der Film beginnt im schottischen Glasgow, wo der Busfahrer George (Robert Carlyle) der jungen Einwandererin Carla (Oyanka Cabezas) zu Hilfe kommt, als sie von Kontrolleuren beim Schwarzfahren erwischt wird. Damit beginnt für ihn die Geschichte eines Landes wichtig zu werden, von dem er vorher kaum etwas wußte. George verliebt sich in Carla, aber er merkt bald, daß es etwas in ihrer Vergangenheit gibt, das ihrer beider Liebe im Weg steht. Er entschließt sich, mit ihr nach Nicaragua zu fahren, um mehr über sie zu erfahren. Erschreckt von den dortigen Verhältnissen erkennt George, wie sehr sich sein Leben von dem seiner Geliebten unterscheidet.

    Wie schon bei "Riff-Raff" und "Land and Freedom", beide mit dem "Felix" als bester europäischer Film des Jahres ausgezeichnet, führt auch in "Carla's Song" Barry Ackroyd die Kamera. Sein Verzicht auf übermäßige Bewegung und der sparsame Einsatz von Kunstlicht verstärken noch den dokumentarischen Charakter des Films, den Loach durch die Spontaneität seiner Schauspielerführung erreicht. Keiner der Darsteller kannte das gesamte Drehbuch im voraus, die Akteure erfuhren jeweils nur das, was zum Drehen der nächsten Szene notwendig war.

    Robert Carlyle verkörpert den Glasgower Busfahrer George mit hinreißender Natürlichkeit. Liebenswert und gleichzeitig starrköpfig ist er der kleine Mann, der sich seinen Bürgersinn und Stolz bewahrt, auch wenn er es sich eigentlich schon lange nicht mehr leisten kann. An seiner Seite gibt Oyanka Cabezas in ihrer ersten englischsprachigen Kinorolle ein bemerkenswertes Debüt: Sie führt vor, wie schwer auch im scheinbar zivilisierten Europa der Kampf ums tägliche Dasein für jemanden sein kann, der nicht dazugehört.

    Von Peter Zöttl, dpa

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