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  • Kritik: Burtons schwarzhumoriger Ausflug ins Wunderland

    Auf einer pinkfarbenen Drachengondel aus Zuckerguss geleitet der exzentrische Besitzer einer Schokoladenfabrik (Johnny Depp) seine Besucher durch sein wundersames, knallbuntes Reich: An den Ufern des Schokoladenflusses wachsen Zuckerstangen an Bäumen, essbares Gras aus Pfefferminz schießt in die Höhe und Marshmallow-Kirschcreme sprießt auf Büschen, während in einer der Hallen Eichhörnchen in Akkordarbeit Walnüsse knacken.

    Mit dem turbulenten, schwarzhumorigen Fantasy-Abenteuer «Charlie und die Schokoladenfabrik» bringt der amerikanische Regisseur Tim Burton («Edward mit den Scherenhänden», «Mars Attacks!») jetzt den weltweit beliebten, 1964 erschienenen Kinderbuchklassiker von Roald Dahl auf die Kinoleinwand: farbenfroh, fantasievoll, fantastisch.

    Bei dem vergnüglichen, aufwendigen Kino-Spektakel - ein Remake des 1971er Films mit Gene Wilder in der Hauptrolle - war Felicity Dahl als ausführende Produzentin mit von der Partie. Die Witwe und Nachlassverwalterin des gestorbenen britischen Schriftstellers hatte Burton bereits die Verfilmungsrechte für «James und der Riesenpfirsich» übertragen.

    «Unser Ziel bei der Leinwand-Adaption dieses Stoffes war, uns so eng wie möglich an die Originalvorlage zu halten», erklärt Burton. Mit dieser verantwortungsvollen Aufgabe betraute er den amerikanischen Drehbuchautor John August («Big Fish»), der verschiedene Rückblenden in das Skript einbaute, die Aufschluss über die traumatischen Kindheitserfahrungen des kauzigen Schokoladenfabrikanten Willy Wonka geben. «Das war für mich ein großer Luxus», bekennt Depp. «Denn als Schauspieler versuche ich immer, meiner Figur auch einen Hintergrund zu geben.»

    Im Mittelpunkt dieses zeitlosen, modernen Märchens steht ein kleiner Junge (Freddie Highmore) aus ärmlichen Verhältnissen, der davon träumt, einmal diese mysteriöse Fabrik zu besuchen. Sämtliche Arbeiter, darunter auch sein Großvater (David Kelly), wurden vor 15 Jahren entlassen, dennoch werden dort wie von Zauberhand weiterhin gigantische Mengen von Schokolade produziert. Fünf Kinder will der völlig zurückgezogen lebende Fabrikboss in sein Geheimnis einweihen. Zu diesem Zweck versteckt er in den Millionen von Schokoladentafeln, die rund um den Erdball ausgeliefert werden, fünf goldene Eintrittskarten. Zu den ersten glücklichen Gewinnern zählen ein naschsüchtiger Deutscher (Philip Wiegratz), die amerikanische Weltmeisterin im Kaugummikauen (Anna Sophia Robb), eine verzogene Göre reicher Eltern (Julia Winter) sowie ein Videospiel-süchtiger Junge (Jordan Fry).

    Gedreht wurde «Charlie und die Schokoladenfabrik» in den britischen Pinewood-Studios, wo die Produktion sieben Hallen belegte. «Ich dachte, wir arbeiten meistens vor der Blue Screen», sagt Highmore. «Aber stattdessen wurden gigantische Sets gebaut.» Zu den eindrucksvollen Bauten gehörten dort eine kleine Stadt, die Außenansicht der Fabrik, höhlenartige Säle mit ganzen Landschaften wie einem Schokoladenwasserfall sowie urtümliche Apparaturen zur Produktion von köstlichen Süßigkeiten. «Es war mir wichtig, an echten Sets zu arbeiten, um so viel wie möglich real mit der Kamera zu filmen», erläutert der Regisseur. «Wir haben versucht, die Computer- generierten Effekte auf ein Minimum zu beschränken.»

    Burton kreiert dadurch mit visueller Wucht ein faszinierendes Wunderland in schillernden, knalligen Bonbonfarben, in dem die allzu gierigen Kinder einige bitterböse Überraschungen erleben. Auf dieser abenteuerlichen Odyssee wird allerdings nicht nur den Kleinen mit geballter Ironie eine Lektion für das Leben erteilt, sondern auch dem scheuen Schokoladen-Produzenten eine ganz neue Wertschätzung vermittelt.

    Die rasant inszenierte Handlung, der Burton einige unvorhersehbare Wendungen verleiht, ist zur Freude von Cineasten mit originellen Zitaten aus Stanley Kubricks «2001» gespickt. «Charlie und die Schokoladenfabrik» bietet einen atemberaubenden Kinospaß für die ganze Familie, bei dem den Kindern das Lachen eher vergehen kann als den Erwachsenen.

    dpa

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