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  • Kritik: Bucks Film und die Realität in BerlinNeukölln

    Wer Detlev Bucks neuen Film sieht, wird sein Kind wohl nie auf eine Schule in Berlin-Neukölln schicken wollen. «Knallhart» heißt Bucks Berlinale-Beitrag, und der Titel ist Programm.

    Den schüchternen 15-jährigen Michael Polischka (David Kross) verschlägt es mit seiner Mutter (Jenny Elvers-Elbertzhagen) aus dem reichen Berliner Stadtteil Zehlendorf in das Problemviertel Neukölln. Hoher Ausländeranteil, Arbeitslosigkeit, Gewalt - der Traum vom Multikulti-Idyll ist hier geplatzt.

    Türkische Jugendgangs beherrschen Schulhöfe und Straßen. «Du Opfer» ist in dieser Welt das schlimmste Schimpfwort. Michael wird gleich nach seiner Ankunft brutal zusammengeschlagen und dabei gefilmt. Ohne Handy und Turnschuhe läuft er auf Socken nach Hause. Der Drogenhandel ist in der Hand arabischer Großfamilien. Wer für die Dealer arbeitet, genießt Schutz und Anerkennung im Kiez.

    Schon vor dem Kinostart am 9. März löste «Knallhart» in Berlin erneut eine Debatte um Gewalt und Ausländer-Integration in Problemkiezen wie Neukölln, Kreuzberg und Wedding aus. Vor knapp zehn Jahren überschrieb das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» einen Bericht mit «Endstation Neukölln». Die Lage ist seitdem eher schlechter geworden. Die Arbeitslosigkeit liegt bei mehr als 20 Prozent. In einzelnen Gegenden erreicht der Anteil knapp 40 Prozent, unter den Ausländern ist oft jeder Zweite ohne Job.

    Schüler mit deutscher Muttersprache sind häufig eine kleine Minderheit in ihren Klassen. Im Unterricht geht es weniger um Inhalte als um sprachliche Verständigung und Lesen und Schreiben. Deutsche und ausländische Familien mit bürgerlichem Hintergrund ziehen aus Neukölln weg, wenn ihre Kinder in weiterführende Schulen wechseln.

    Buck sagt, er finde es schade, dass nun gefragt wird, ob der Film übertreibe. Sein Ziel sei, «dass man sagt: Ja, das ist ein Thema». Für den Film besuchte er Schulklassen und streifte durch Neukölln, das er keineswegs nur als kriminellen Kiez sieht und ein «lebendiges Stadtviertel» nennt. Das von ihm geschilderte Milieu gebe es auch in anderen Städten.

    Die massiven Probleme von Kriminalität und Parallelgesellschaften werden inzwischen weit mehr als früher thematisiert. Der deutsch- türkische Grünen-Politiker Cem Özdemir lobt das Sozialdrama als ungeschönt. «"Knallhart" verdeutlicht, dass wir unsere Städte nicht einfach sich selbst überlassen dürfen.»

    Neuköllns Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD), der seit langem vom Scheitern der linken Multi-Kulti-Träume spricht und vor dem Wegsehen warnt, erkennt in Bucks Film eine realistische Schilderung. Sollte die Integrationspolitik weiter so halbherzig betrieben werden, so Buschkowsky, würden künftig auch in deutschen Städten Zustände wie kürzlich in den Pariser Vorstädten herrschen.

    Seit den Vorbereitungen zu «Knallhart» im Jahr 2004 wurde Regisseur Buck mehrfach von der Realität eingeholt. So genannte Ehrenmorde, Deutschpflicht auf Schulhöfen und islamkritische Karikaturen sorgten immer wieder für öffentliche Diskussionen über die Integrationspolitik. So ist Bucks Plädoyer bei aller Überspitzung aktueller denn je: Wenn ausländische Kinder und Jugendliche nicht besser als bisher integriert werden, wird das fatale Auswirkungen haben.

    dpa

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