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  • Kritik: Brüno provoziert als schwuler Mode-Reporter

    Als schwuler, österreichischer Modejournalist Brüno jettet er um die Welt, provoziert seine Umwelt mit exzentrischen Auftritten und überrascht dabei mit immer durchgedrehteren Ideen. Auch wenn «Brüno» dabei erwartungsgemäß keiner wirklich tiefgründigen Geschichte folgt, so parodiert der Film genüsslich den Wahn vom medialen Ruhm und ist zugleich geschmacklose wie hochkomische Komödie.

    Der blonde, häufig knapp bekleidete Reporter Brüno wird nach einem Eklat bei der Mailänder Modewoche aus seiner Sendung Funkyzeit geworfen und macht sich deswegen auf nach Los Angeles, wo er «der größte österreichische Superstar seit Hitler» werden will. Um das zu erreichen, versucht Brüno in der «Mockumentary» (parodistischer Dokumentarfilm) in rasend schneller Abfolge einiges: Er interviewt die Sängerin Paula Abdul, dabei auf hockenden Menschen als Stuhlersatz sitzend, brüskiert einen Führer der Al-Aqsa-Brigaden, indem er Osama bin Laden mit einem obdachlosen Weihnachtsmann vergleicht und zerrt vor den Augen entsetzter Mitreisender ein schwarzes Adoptivbaby vom Flughafengepäckband: «Madonna hat es, Brangelina hat es - jetzt hab ich auch eins.

    Mit solchen selbstinszenierten Auftritten kennt sich Brüno alias Baron Cohen bestens aus. Schon während der Dreharbeiten kursierten immer wieder Meldungen und kleine Filmchen über die brachialen Ideen des britischen Komikers. Bei den MTV Movie Awards sorgte er vor kurzem für Schlagzeilen, als er sich in einem weißen Engelsgewand von der Decke abseilte und auf dem Schoß des Rappers Eminem landete - sein spärlich bekleideter Hintern lachte Eminem bei dieser abgesprochenen Einlage direkt ins Gesicht.

    Auch im Film scheint Baron Cohen erneut keine Schmerz- und Schamgrenze zu kennen. Während der Komiker in «Borat» als Naivling aus Kasachstan seinen Gesprächspartnern in den USA so haarsträubende politisch inkorrekte Aussagen entlockte, geht er als klischeeschwuler Mode-Reporter Brüno deutlich offensiver vor und fordert die Menschen zu - verbaler und körperlicher - Gegenwehr heraus. Bei seinen Eskapaden begibt er sich immer wieder in durchaus gefährliche Situationen, beispielsweise indem er fanatisch überzeugten Heterosexuellen sein angebliches Schwulsein unter die Nase reibt.

    Nicht alle Szenen sind dabei echt, einige wurden offensichtlich auch gestellt. Dem Film schadet das aber nicht. Im Gegenteil, die Jagd nach immer abstruseren Auftritten des nach Rampenlicht süchtigen Brüno überrascht nicht nur seine meist unfreiwilligen Mitstreiter. Auch die Zuschauer werden von dieser Gagwelle regelrecht überrollt. Dabei wollen einige der oft nach dem selben Muster gewirkten Witze auf Dauer nicht so recht zünden. «Brüno» fehlt auch die hintergründige und subtile Ironie, die seinen Vorgänger «Borat» ausmachte. Stattdessen ignoriert Baron Cohen mit «Brüno» jeden Appell an guten Geschmack und setzt sich hemmungslos über jede Grenze gesellschaftlichen Anstandes hinweg.

    Weltweit befürchteten viele Kritiker deswegen schon vor der Premiere des Films, dass «Brüno» unter dem Deckmantel der Komik schwulenfeindlich sei und nach den Kasachen in «Borat» nun die Österreicher an den Pranger stellt. Natürlich übertreibt es Baron Cohen mit der stereotypen Darstellung des Brüno. Doch die Kritik scheint dabei übers Ziel hinaus zu gehen. Schließlich ist sie einkalkuliert und garantiert dem Komiker wochenlange mediale Aufmerksamkeit. Auch deswegen werden sicher wieder unzählige Neugierige in die Kinos strömen, um «Brüno» zu sehen - und Baron Cohen das verschaffen, wonach sich seine Kunstfigur Brüno so innig sehnt: Schlagzeilen und Ruhm.

    Aliki Nassoufis

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