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  • Kritik: Brüchiges Cowboy-Idyll

    Flirrende Hitze. Weit dehnt sich ödes Land. Der Staub wirbelt unter den Hufen der Pferde hoch und verschmiert die Gesichter der Männer. Doch sie lieben diese Hitze, dieses Land, diesen Staub: Sie sind Cowboys.

    Mit der spontanen Erinnerung an die Marlboro-Reklame drängt sich die Frage auf: Wer dreht heute noch einen solch klischee-strotzenden Cowboy-Film? Der britische Altmeister Stephen Frears (Gefährliche Liebschaften) tut's einfach. Und - mit einigen Abstrichen - gelingt ihm die Gratwanderung, vor allem dank hervorragender Schauspieler.

    , der Frears auf der Berlinale den Silbernen Regie-Bären einbrachte, kommt am Donnerstag in die Kinos.

    Die Geschichte nach der Romanvorlage von Max Evans funktioniert im großen und ganzen deshalb, weil sie in für Cowboy-Filme ganz untypischer Zeit spielt: Die beiden Helden, Big Boy (brillant ordinär: Woody Harrelson) und Pete (rührend ungelenk: Billy Crudup), kehren aus dem Zweiten Weltkrieg heim und versuchen an die Vergangenheit anzuknüpfen, indem sie ihre Arbeit als Viehzüchter in Cowboy-Manier fortsetzen.

    Doch die Moderne hat den Wilden Westen nicht verschont. Auch hier gelten neue Regeln: Das Vieh wird nicht mehr in Trecks, sondern mit Lastern transportiert, und eine kleine Farm ist kaum mehr lukrativ - so wird das rauhbeinige Festhalten der beiden an alten Traditionen mehr und mehr zum Kampf zweier - wenn auch kraftstrotzender - Don Quichotes gegen Windmühlenflügel.

    Eine Zeit des Niedergangs also, in die zusätzlich eine Frau für Chaos zwischen den Freunden sorgt: Die schöne, laszive und verheiratete Mona (Patricia Arquette) verdreht beiden den Kopf und bringt diese nach Männerregeln funktionierende Gesellschaft nicht nur zum kochen, sondern torpediert sie schließlich. "Mona ist für diese Zeit eine sehr moderne Frau. Sie ist unglücklich verheiratet, aber befreit sich aus den Zwängen, indem sie ihre Bedürfnisse auslebt", sagt Arquette im Interview. "Für die Cowboys ist sie wie ein extravagantes Wesen aus einer anderen, sauberen, duftenden Welt." Fast scheint es als Sinnbild für den gefährlichen Fortschritt, daß Mona im schneeweißen Cabriolet durch Hi-Lo-Country kutschiert, in dem Pferde immer noch die Fortbewegungsmittel Nummer eins sind.

    Nach ihrem Erfolg in David Lynchs "Lost Highway" spielt Arquette somit erneut eine Femme Fatale, die ihre Geliebten mit fast trägem Gestus und provozierend ausdauerndem Blick in Bann schlägt. "In Wirklichkeit bin ich immer total aufgekratzt und gehe schnell in die Luft", erzählt die 31jährige, die seit vier Jahren mit Nicolas Cage verheiratet ist. "Ich versuche aber, aus jeder Rolle für mich etwas mitzunehmen: Von Mona soll das ihre Stärke und Ruhe sein."

    Doch trotz überzeugenden Leistungen der drei Hauptdarsteller - allen voran Woody Harrelson, der seine kernigen Beschimpfungen Kautabak-malmend nur so herausspuckt - erliegt Frears hier und da der Macht der erschlagenden Landschaftsbilder. Nicht immer schafft er es, Distanz zu halten: Das vom Roman her differenziert angelegte und problematische Cowboy-Dasein gerinnt dann zum süßlichen Idyll, bei dem nur noch der Lagerfeuer-Kaffee aus der Blechtasse fehlt.

    Andrea Barthelemy, dpa

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