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  • Kritik: Bruce Beresfords Kriegsdrama "Paradise Road"

    Frankfurt/M (AP) Es sind die Männer, die Kriege anfangen. Doch es sind oft gerade die Frauen, die sie erleiden. Von dieser unendlichen Geschichte schlägt Bruce Beresfords Film "Paradise Road" ein bislang wenig bekanntes Kapitel auf: die jahrelange Gefangenschaft westlicher Frauen in japanischer Gewalt auf dem tropischen Sumatra. Das am 20. November in den deutschen Kinos anlaufende Leinwanddrama erzählt am Beispiel etlicher Einzelschicksale von Schmerz und Tapferkeit, Tod und Überleben unter grausamen Bedingungen. Es ist ein Hohelied auf die Frauen und gleichermaßen auf die Kraft der Musik.

    Die Filmhandlung beginnt Ende 1941 mit einem rauschenden Ball und schmelzenden Schlagerklängen in Singapurs berühmtem Hotel Raffles. Dort gibt sich die britisch dominierte europäische Oberschicht ein Stelldichein, das jäh von einer Schreckensnachricht beendet wird: Die Japaner starten nach dem Angriff auf Pearl Harbor nun auch eine Attacke auf das Handelszentrum, schon bebt die Erde vom Granateneinschlag. Die Paare, die sich eben noch im Tanz wiegten, werden auseinandergerissen, der Kampf ums nackte Überleben beginnt.

    Auf einem britischen Kriegsschiff sollen Frauen und Kinder vor den Eroberern in Sicherheit gebracht werden. Doch japanische Kampfflugzeuge versenken das Schiff, schwimmend retten sich die Menschen an die Küste Sumatras, das bereits fest in der Hand des Feindes ist. Der nimmt die Überlebenden unsanft in Empfang, es ist der Beginn eines Martyriums unter gleißender Sonne, das für viele mit einem Holzkreuz im Dschungel endet. Doch in all diesem Elend regt sich beeindruckend auch der Überlebenswille der Frauen, die einen Lagerchor gründen und mit ihrem inbrünstigen Gesang sogar die Herzen ihrer Bewacher anrühren.

    Der Australier Beresford, der 1990 mit dem vierfachen Oscar-Erfolg "Miß Daisy und ihr Chauffeur" Furore machte, ist ein menschenfreundlicher Regisseur. Mit Geschick führt er ein großes, absolut hochkarätig besetztes Damenensemble durch die Handlung, vermeidet Schwarzweißmalerei und zeigt selbst die meisten der japanischen Unterdrücker als Männer mit sentimentalen Regungen. Glenn Close spielt die mutige Chorgründerin Adrienne Pargiter etwas zu heroisch, die Amerikanerin Frances McDormand beweist in der Rolle einer zynisch-bitteren deutschen Jüdin einmal mehr ihre schauspielerische Sonderklasse.

    Aber es sind vor allem zwei noch unverbrauchte Frauengesichter, die sich in "Paradise Road" einprägen: Die junge Australierin Cate Blanchett als Susan und die seelenvolle Engländerin Jennifer Ehle als Rosemary. Beide stehen vor großen Karrieren, beide zeugen beeindruckend von dem ebenso beeindruckenden wie unerschöpflichen Reservoir an Filmtalenten im englischsprachigen Raum.

    "Paradise Road" ist in vieler Beziehung ein etwas altmodisch wirkender Film. Er setzt auf Emotionen statt auf Effekte, auf Gesichter statt auf Action. Nicht immer versteht es Beresford, dies mitreißend zu gestalten, nicht immer ist er gefeit vor schierer Rührseligkeit. Und es fehlt im letzten Teil die dramatische Steigerung. Aber trotz aller Einwände ist dieser Film über ein hierzulande fast unbekanntes Kriegskapitel doch ein handwerklich sehr akzeptabel gestaltetes Hohelied auf das Gute in den Menschen. Das ließ sich 1997 nicht von vielen Filmen sagen.

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