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  • Kritik: Britischer Film vom Autor von "Ganz oder gar nicht"

    Wie andere berühmten Beispiele des Neuen britischen Kinos spielt "Zwischen Himmel und Erde" im Milieu der Arbeitslosen, die sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten.

    Doch anders als "Ganz oder gar nicht" oder "Brassed Off - Mit Pauken und Trompeten" ist diese Geschichte nicht in der bodenständigen Lebenswelt angesiedelt, sondern hebt ab in eine ungewohnte Dimension, in die schwindelnden Höhen der Hochspannungsmasten.

    Ray (Pete Postlethwaite) und sein viel jüngerer Freund Steve (James Thornton) sind leidenschaftliche Kletterer. Da kommt ihnen die Möglichkeit, damit Geld zu verdienen, gerade recht. Ein Energieunternehmen gibt Ray unter der Hand den Auftrag, mit einem Trupp Schwarzarbeiter Hochspannungsmasten anzustreichen. Es sind eine ganze Menge auf der Strecke von 15 Meilen durch das Moor von Yorkshire. In den drei Sommermonaten, in denen der Strom abgeschaltet ist, müssen sie es schaffen.

    Wer jetzt rätselt, ob Hochspannungsmasten wirklich angestrichen werden, bekommt Aufklärung vom Autor Simon Beaufoy. Vor etwa sieben Jahren habe er selbst zur Kletterer-Szene in Sheffield gehört. "Viele Climber arbeiteten damals als Anstreicher auf den Hochspannungsmasten; 50 Pfund auf die Hand, und ab ging es."

    In der rauhen Männerwelt taucht eine junge Tramperin auf. Gerry ist Australierin und ebenfalls eine begeisterte Freeclimberin. Ohne Sicherung steigt sie hoch zu Ray zur Spitze, um ihn nach einem Job zu fragen. Sie bekommt ihn. Unabhängig und selbstbewußt, verschafft sie sich in der Männerrunde Respekt. Es knistert zwischen ihr und Steve, aber sie beginnt eine leidenschaftliche Beziehung mit Ray. Eifersüchtig verläßt Steve das Haus, in dem er mit Ray lebte, und kauft sich einen Wohnwagen für seine Weltreise, von der er seit langem träumt. Gerry nimmt begeistert den Heiratsantrag Rays an, aber bald schleichen sich Zweifel ein, ob es das Richtige für sie ist.

    "Zwischen Himmel und Erde" beobachtet die Dreiecksgeschichte geduldig und ernst. Für Humor ist darin kaum Platz. Das Interesse des Autors und des Regisseurs scheint mehr den Bildern aus ungewöhnlichem Blickwinkel zu gelten als der Feinabstimmung der Charaktere. Regisseur Sam Miller, der bis dahin nur fürs Fernsehen gearbeitet hatte, jedenfalls schwärmt vor allem von den Kolossen aus Stahl. "Masten sind wundervoll, geniale Konstruktionen." Er bekennt: "Wir haben auf jeden Fall den definitiven Hochspannungsmasten-Film gedreht."

    Der Autor ist derselbe, der mit "Ganz oder gar nicht" im vergangenen Jahr eine Oscar-Nominierung bekommen hat. Simon Beaufoy hat das Drehbuch für "Zwischen Himmel und Erde" noch vorher geschrieben; es ist sein erstes Spielfilm-Script. Eigentlich hatte er eine Dokumentation über die Männer drehen wollen, die Hochspannungsmasten anstreichen, war jedoch an fehlenden Genehmigungen gescheitert. Bei seinem Spielfilmkonzept blieb er weitgehend bei eigenen Erlebnissen, nahm aber Westernmotive wie eine Lagerfeuerszene hinzu.

    Immerhin wirken die Figuren in der konstruierten Szenerie, wenn auch unscharf gezeichnet, ziemlich lebensecht. Sehr überzeugend ist vor allem die Australierin Rachel Griffiths (sie war die Freundin im Rollstuhl in "Muriel's Hochzeit") als Gerry, die sich mit der Ungebundenheit eines streunenden Hundes durch die Welt bewegt.

    Pete Postlethwaite, der Dirigent aus "Brassed Off", ist zum ersten Mal als romantischer Liebhaber zu sehen. Er gleicht sein wenig attraktives Äußeres durch sympathische Fürsorglichkeit aus. Wenn er Probleme bekommt, verschließt er sich hinter einer bitter-harten Miene. Um so mehr fühlt man mit, wenn er die romantischen Momente mit Gerry erlebt, für die der Film ebenfalls außergewöhnliche Orte findet: einen Dachgarten auf einem gigantischen Gasometer oder unter einer riesigen "Dusche" zwischen Kühltürmen.

    "Zwischen Himmel und Erde" soll von Giganten erzählen; der Originaltitel heißt "Among Giants". Ein riesiger Film ist leider nicht daraus geworden.

    Inge Treichel, AP

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