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  • Kritik: Brillantes Schauspielerduell der Superstars

    ...Denn obwohl es an Action und Gewalt gewiß nicht mangelt, stehen nicht Effekte, sondern Menschen im Mittelpunkt des 143minütigen, keine Sekunde langweiligen Geschehens. Der Kampf zwischen dem FBI-Agenten Sean Archer und dem Terroristen Castor Troy ist zugleich das brillanteste Schauspielerduell, das in den letzten Jahren in der kalifornischen Traumfabrik entstand. Travolta wie Cage sprühen vor Spiellaune und machen eine im Grunde höchst unglaubwürdige Geschichte zum Drama, das unter die Haut geht.

    Archer/Travolta und Troy/Cage sind Todfeinde: Troy hat einst bei dem Versuch, Archer zu erschießen, dessen kleinen Sohn getötet. Einige Jahre später kann der FBI-Agent endlich den Mörder seines Kindes nach atemberaubender Verfolgungsjagd stellen und, wie es scheint, für alle Zeiten unschädlich machen. Aber Croy und sein wirrköpfiger Bruder Pollux haben eine Zeitbombe irgendwo in Los Angeles deponiert. Da Castor im Koma liegt, der ebenfalls verhaftete Pollux den Standort der Bombe aber nicht preisgibt, gibt es nur noch eine Möglichkeit, die Katastrophe zu verhindern: Pollux muß mit einer raffinierten List zum Sprechen gebracht werden.

    Wie das ins Werk gesetzt wird, zählt zum Spektakulärsten, was je auf Leinwänden zu sehen war. Denn dem im Todesschlaf liegenden Castor wird mit medizinischer Hochtechnologie regelrecht das Gesicht herausgeschnitten. Archer, der die gleiche Prozedur durchmachen muß, bekommt stattdessen das Antlitz des Todfeindes 'angepaßt'. Mit Castors Zügen tritt Archer dem mißtrauischen Pollux gegenüber. Doch mittlerweile ist der enthäutete Castor aus dem Koma erwacht. Entsetzt betrachtet er die rohe Fleischmasse im Spiegel. Aber er findet schnell einen diabolischen Ausweg - das Drama, zugleich ein beklemmendes Identitätsspiel, nimmt seinen Lauf.

    Der 1946 geborene Woo macht seinem Ruf als "Mozart der Zerstörung" alle Ehre: Wie er das mit verblüffenden Einfällen gespickte Geschehen in Szene setzt, zeugt von reifer Meisterschaft in der Bedienung aller filmischen Register. Denn "Im Körper des Feindes" ist, wie Hauptdarsteller Travolta ohne Übertreibung sagen darf, "eine außergewöhnliche Mischung aus Action, Drama, Humor und poetischem Filmemachen". Keineswegs kommen emotional bewegende Momente zu kurz in dieser chinesischen Kino-Oper aus Hollywood.

    Woo ist indessen nicht nur ein Glücksfall für die Zuschauer, sondern auch für die beiden Drehbuchautoren Mike Webb und Michael Colleary, die bereits 1990 die erste Fassung ihres Drehbuchs für einen "psychologischen Thriller, der sich als Actionfilm verkleidet hat", fertigstellten. Das Drehbuch stellte eine fast unmöglich zu erfüllende Forderung an die Besetzungsexperten: Zwei charismatische Darsteller, glaubwürdig sowohl in der Rolle des Guten wie des Bösen, dazu körperlich von ähnlicher Statur. Cage und Travolta erfüllen alle Bedingungen perfekt.

    Die renommierte Charakterschauspielerin Joan Allen, im Film Archers etwas verhärmte Ehefrau verkörpernd, beobachtete die Leistung ihrer männlichen Mitspieler mit professionellen Respekt: "Faszinierend, wie John und Nic zwischen Sean Archer und Castor Troy hin- und herpendeln. Ihre Fähigkeit, Körperhaltung, Gestik Süprachrythmus und -gewohnheiten des anderen zu kopieren, ist unglaublich." In den USA hat der Film viele Dollars eingespielt, auch hierzulande sollte "Im Körper des Feindes" zum Kassenerfolg werden. Was noch mehr zählt: John Woo hat einen neuen Klassiker des Actiongenres geschaffen. Das Publikum darf sich freuen.

    Von AP-Korrespondent Wolfgang Hübner

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