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  • Kritik: Bravouröses Gesellenstück

    Hamburg - Einer der innovativsten deutschen Filmemacher legt sein bravouröses Gesellenstück vor. Mit "Lola rennt" zeigt der 33jährige Tom Tykwer, wie kraftvoll, mitreißend, magisch, stimulierend und professionell deutsches Kino sein kann. Der Film, der am Samstag abend in Köln seine Uraufführung erlebte und am Donnerstag (20.8.) in die Kinos kommt, ist als deutscher Beitrag beim Filmfestival in Venedig im Rennen um den "Goldenen Löwen".

    Daß es sich nicht um einen Zufallstreffer Tykwers handelt, sondern um die konsequente autodidaktische Entfaltung eines Talents, zeigt seine Biographie. Vor fünf Jahren erregte der Jungregisseur mit seinem Debütspielfilm "Die tödliche Maria" in Fachkreisen Aufsehen. Vorangegangen waren Jahre als Kinoleiter, Drehbuchlektor und TV- und Kurzfilm-Regisseur. Als Mitbegründer der Berliner Produktionsfirma X- Filme Creative Pool schrieb er am Drehbuch zu Wolfgang Beckers "Das Leben ist eine Baustelle" mit. Im letzten Jahr gewann Tykwer mit seinem Liebesthriller "Winterschläfer" den Bundesfilmpreis.

    Für seinen neuen Film "Lola rennt" entwarf der Jungregisseur als Zielvorgabe: "Machen wir doch mal einen Film, der den angeblichen Gesetzen des Erzählens und des Marktes und des Geldes trotzt und der trotzdem mitreißend und klug, emotional und intelligent ist." Hochgeschwindigkeitskino am Puls der Zeit ist das Resultat.

    Manni hat 100.000 Mark verloren. Wenn er sie nicht in 20 Minuten wiederhat, ist er tot und wenn ihm jetzt überhaupt noch jemand helfen kann, dann seine Freundin Lola. Obwohl die Rolle des Manni mit Frauenliebling Moritz Bleibtreu ("Knockin' on Heaven's Door") ebenso prominent besetzt ist wie auch viele der Randfiguren, konzentriert sich Tom Tykwers Drehbuch auf Lola alias Franka Potente. Nach Mannis Anruf prescht Lola los, um ihm aus der Patsche zu helfen.

    Tykwer gibt ihr dafür drei Versuche. Die Enttäuschung über die entfernt an "Und täglich grüßt das Murmeltier" erinnernden Wiederholungen verfliegt in wenigen Sekunden. Neue prickelnde Variablen tauchen auf, Lolas Wille und ihr Wissen aus vorangegangenen Varianten beeinflussen das Schicksal.

    Schon im Prolog und der Eingangssequenz wird klar, daß Dynamik das Charakteristikum und Tykwers intensive, eigenständige Bildsprache der Ausgangspunkt von "Lola rennt" ist. Virtuos und rasant spielt er in seinem romantisch-philosophischen "ActionLiebesExperimentalThriller" mit der Bandbreite der technischen Möglichkeiten: Farbe, Schwarzweiß, Zeitlupe, Zeitraffer, digitale Effekte. Die Welt von Manni und Lola wird in 35-mm-Material festgehalten, der Rest in Videobildern und Mini-Schnappschußgeschichten. Dazwisch sind Zeichentricksequenzen zu sehen. Und die Kamera fing beim Dreh ihre Bilder auch mal von Dreirädern und Schubkarren aus ein. Dabei wirkt der Film in seinem visuellen Konzept nicht bemüht, sondern jongliert völlig unangestrengt mit diesen vielfältigen Möglichkeiten.

    Sein Autoren-Potential deutet Tykwer eindrucksvoll in seinen Nebenfiguren an, für die jeweils eine eigene starke Geschichte entwickelt werden könnte. Tykwers Vorgaben für die Filmmusik stehen all dem in nichts nach. Beim Drehen war immer schon ein Rhythmus spürbar, der den Pulsschlag von Lola als Basis hat. Wie eine Schraube, die sich immer enger dreht. "Die Musik war in diesem Konzept untrennbar mit drin", erklärt Franka Potente im dpa-Gespräch. Für Filmfanatiker Tykwer ist die Vorstellung, daß jemand anderer als Johnny Klimek und Reinhold Heil (Nina Hagen-Band, Spliff) diesen Entwurf in Kompositionen umsetzt ein "Alptraum". Zu Recht, denn ohne diese Musik wäre "Lola rennt" ein völlig anderer Film.

    Silvia Seipel, dpa

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