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  • Kritik: Boyles schockierender Endzeit-Thriller

    Die Kamera ruht in Großaufnahme auf den Schlaf- verklebten Wimpern eines Koma-Patienten (Cillian Murphy), der langsam die Augen aufschlägt. Verwundert blickt er sich in dem verlassenen Krankenzimmer um.

    Die gesamte Klinik bietet ein Bild der Verwüstung. In seinem grünen Krankenhaus-Pyjama läuft der junge Mann auf die Straße, um Hilfe zu holen. Doch die Londoner City ist völlig ausgestorben. Fassungslos steht er auf der menschenleeren Westminster Bridge. In seinem neuen Kinofilm "28 Days Later" entwirft der britische Regisseur Danny Boyle ("Trainspotting") ein düsteres Endzeit-Szenario, in dem sich friedliche Menschen durch ein tödliches Virus innerhalb von Sekunden in mörderische Bestien verwandeln: wild, wütend, wahnsinnig.

    BSE-Skandal lieferte Inspiration zur Filmstory

    Die Inspiration zu dieser Filmstory lieferte dem Regisseur der BSE-Skandal in Großbritannien. "Uns wurde immer versichert, dass wir das Fleisch essen dürfen, obwohl es in Frankreich und Deutschland bereits vom Markt genommen worden war", sagte Boyle. "Dann folgte die Maul- und Klauenseuche, nach der viele Tiere auf dem Land verbrannt wurden. Das war geradezu ein biblisches Bild." Mit dem Skript zu "28 Days Later" beauftragte er den britischen Autor Alex Garland, der ihm schon die Vorlage zu "The Beach" geliefert hatte. "Unser Ansatz war, klassisches Unterhaltungs-Kino über ein mögliches Szenario zu liefern", meinte Produzent Andrew Macdonald. "Als nach Abschluss unserer Dreharbeiten der 11. September und die Anthrax-Anschläge in den USA folgten, wirkte unser Film plötzlich wesentlich realer, was ich als sehr beängstigend empfinde."

    Mit mehreren digitalen Kameras gedreht

    Gedreht wurde "28 Days Later" mit mehreren digitalen Kameras, mit denen das Team bei Sonnenaufgang die ausgestorbene Londoner Innenstadt aufnahm. Die Realisierung der Szenen an bekannten Schauplätzen wie der Westminster Bridge oder dem Piccadilly Circus musste binnen weniger Minuten erfolgen. "Da wir die Straßen nur kurz abgesperren durften, filmten wir aus vielen verschiedenen Blickwinkeln, um eine Sequenz aufbauen zu können", berichtete der Produzent. "Wir hatten viele hübsche Mädchen engagiert. Die baten die Autofahrer, ein, zwei Minuten zu warten. Das hat tatsächlich funktioniert", erinnerte sich der Regisseur. "London ist eine schwierige Stadt für Dreharbeiten, denn die Menschen interessieren sich nicht dafür, wenn dort ein Film produziert wird."

    Ästhetik von Überwachungskameras nachempfunden

    Als Kameramann für "28 Days Later" zeichnet Anthony Dod Mantle ("Das Fest") verantwortlich, der mit Boyle bereits zwei Fernsehfilme realisierte. Bei dem visuellen Konzept zu "28 Days Later" kam es dem Regisseur darauf an, mit der Körnigkeit der digitalen Aufnahmen sowohl die endzeitlichen Landschaften zu unterstreichen als auch die Ästhetik von Überwachungskameras nachzuempfinden, die als modernes Medium das tägliche Leben dokumentieren. Die Filmszene mit den Plakatwänden am Piccadilly Circus, wo per Fotos nach Angehörigen gesucht wird, da alle anderen Kommunikationskanäle zusammengebrochen sind, hätte Boyle nach dem 11. September jedoch nicht mehr so gedreht. "Wir haben beim Schnitt versucht, alles zu vermeiden, was voyeuristisch wirkt oder die Gefühle Trauernder verletzten könnte."

    Uberrascht mit unkonventionellen Wendungen und originellen Ideen

    Mit "28 Days Later" präsentiert Boyle einen visionären Endzeit- Thriller, der auf Grund seiner Thematik erschreckend realistisch wirkt. Wie schon in seinem Kultfilm "Trainspotting" überrascht der Regisseur auch in seinem neuen Werk wieder mit unkonventionellen Wendungen und originellen Ideen. Gesteigert wird der Spannungsbogen der Geschichte durch den Einsatz bewährter Schock-Effekte des Genre- Kinos, die vor allem Fans von Horror- und Splatterfilmen begeistern dürften.

    Birgit Heidsiek, dpa

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