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  • Kritik: Blutige Ballade vom bigotten Bürgertum

    Auch in seinem 66. Film "Die Blume des Bösen" serviert der französische Regie-Star Claude Chabrol (73), was er am liebsten auftischt: eine blutige Ballade vom bigotten Bürgertum.

    Wie schon in seinen weltweit vom Publikum gefeierten Meisterwerken "Der Schlachter" (1969), "Die Unschuldigen mit den schmutzigen Händen" (1975) oder "Die Phantome des Hutmachers" (1982) leuchtet Chabrol die Schattenseiten der Bourgeoisie aus. Dazu sagt Claude Chabrol: "Als selbstbewusster Angehöriger des Bürgertums ist dessen Sein und Werden und Vergehen nun mal mein Hauptthema. Wie alle Künstler erzähle ich in meinen Arbeiten vor allem über mich selbst."

    Im Zentrum der Erzählung steht die Familie Charpin-Vasseur: Promis der Provinz-Politik und Emporkömmlinge auf dem Parkett der Eitelkeiten. Hinter der Fassade aus Eleganz, Reichtum und Macht lauern düstere Geheimnisse, bis hin zu Kapitalverbrechen. Das wird ruchbar, als die Dame des Hauses (Nathalie Baye) beschließt, sich zur Wahl als Bürgermeisterin zu stellen. Da tauchen plötzlich anonyme Schmähschriften auf, die der Sippe alle Ehre absprechen, von Verbrechen reden, gar Mord.

    Chabrol serviert die Gruselmär genüsslich. Die Köpfe rollen wie nebenbei. Gevatter Tod trippelt und tänzelt durch die Szenerie. "Von etwas so Ekelhaftem wie Mord und Totschlag kann man nur heiter erzählen", meint Claude Chabrol zu seinem Stil. "Die Zuschauer zahlen viel Geld für eine Kinokarte. Also erwarten sie zu Recht, dass sie gut unterhalten werden. Würde ich meine Geschichten so brutal erzählen, wie sie sind, gingen alle Leute mit Kopfschmerzen und flauem Gefühl im Magen aus dem Kino. Dafür kann niemand einen Cent Eintritt verlangen. Also umhülle ich die schwarzen Geschichten mit lichten Verpackungen."

    Claude Chabrol hat seine Inszenierung als heiteres Chanson arrangiert: handwerklich perfekt und schauspielerisch exzellent, von Stars wie Nathalie Baye und Ben�it Magimel sehr charmant und sehr leicht umgesetzt. Zum überraschend rabenschwarzen Ende darf noch einmal laut gelacht werden, was den Horror noch befördert. Erbarmungslos satirisch illustriert Chabrol da noch einmal komplex, was er folgendermaßen beschreibt: "Der Spruch, dass sich Verbrechen nicht lohne, ist eine der Lügen, die die schlimmsten Verbrecher in die Welt gesetzt haben, die ach so braven Bürger." Claude Chabrol ist sich sicher: "Gegen "Die Blume des Bösen" ist kein Kraut gewachsen.".

    Peter Claus, dpa

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