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  • Kritik: Blitzsaubere Skandalgeschichte

    Die Plaster Casters sind Legende. Nicht weil sie als Groupies mit den größten Rockstars ihrer Zeit in den Betten waren, sondern weil sie Gipsabgüsse von deren Penissen machten.

    Auch die Banger Sisters in Rob Dolmans Komödie "Groupies Forever" mit den Oscar-Preisträgerinnen Goldie Hawn und Susan Sarandon haben eine eindrucksvolle Trophäensammlung aus ihrer wilden Zeit in den Sechzigern vorzuweisen: einen Haufen Polaroids. Jede hortet ihren Anteil, denn beide haben sich seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen.

    Ihre Geschichten sind anders verlaufen als die der vage nachempfundenen Vorbilder Pamela Del Barres und Cynthia Plaster Caster, die zur Hollywood-Premiere geladen waren. Das einstige Top- Groupie Pamela heiratete den Rockstar und Schauspieler Michael Des Barres. Cynthia, damals Kunststudentin, arbeitet noch immer als Abdruck-Künstlerin. Den Bangers dagegen sind nur die Polaroids geblieben. Suzette (Goldie Hawn) hat den Anschluss verpasst. Als alternde Rock'n'Roll-Schlampe ist sie selbst als Barfrau in einer L.A.-Kaschemme am Sunset Strip nicht mehr tragbar und wird gefeuert.

    Film lebt von seiner Situationskomik

    Pleite wie sie ist, macht sie sich auf den Weg nach Phoenix, um nach all den Jahren Vinnie (Susan Sarandon) wieder zu sehen. Die führt inzwischen das Leben einer konservativen Anwaltsgattin und Mutter zweier Teenager. Ihre wilde Vergangenheit hat sie verschwiegen. Die komischen Verwicklungen dieser Komödie sind also vorprogrammiert, denn selbstverständlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch Sarandons verkniffene Vinnie Urlaub vom konservativen Beige nimmt und sich ins Trash-Outfit stürzt.

    Der Plot um die zwei überreifen Ex-Groupies ist denkbar harmlos. In dieser leichten Hollywood-Komödie stürzen keine Welten ein, hier werden Lebenslügen zum Running Gag. Der Film lebt von seiner Situationskomik, zu der auch Jeffrey Rush als Suzettes wunderlicher Reisegefährte einiges beizutragen hat. Und natürlich profitiert er von seinen beiden Hauptdarstellerinnen. Wobei Susan Sarandon als Charakterdarstellerin unterfordert ist. Und sich die Frage stellt, wie lange Goldie Hawn auf der Leinwand noch den ewigen Teenager geben kann. Dass uns Mutter Goldie als dahinwelkendes Ex-Groupie mit blonder Löwenmähne unterhält, nachdem Tochter Kate Hudson in "Almost Famous" als Musiker-Freundin zu sehen war, ist die eigentliche Pointe dieses Films.

    Die skandalösen Polaroids existieren nur in der Fantasie des Zuschauers

    Dennoch widerlegt der Film auf seine Art, dass es für weibliche Stars in einem gewissen Alter keine Rollen gibt. Geschichten wie die der Banger Sisters liegen auf der Straße, man muss sie nur aufheben. Die Macher dieser blitzsauberen Hollywood-Komödie haben dies allerdings mit übergestreiften Handschuhen getan. Sex, Drugs und Rock'n'Roll sind hier ins heimliche Leben der streng erzogenen Teenager-Kinder delegiert. Das einzig Skandalöse an den Banger Sisters ist ihre Polaroid-Sammlung, in die der Zuschauer allerdings keinen eingehenden Blick werfen darf.

    Ricarda Schrader, dpa

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