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  • Kritik: Blick in die Abgründe eines korrupten Polizeisystems

    Berlin. Es waren die schwersten Rassenunruhen in der jüngeren Geschichte von Los Angeles. 1992 wurden vier weiße Polizeibeamte vom Vorwurf der schweren Körperverletzung an dem Farbigen Rodney King freigesprochen. Aufgebrachte Schwarze gingen auf die Straße und machten ihrem Zorn Luft. Die Bilanz: 53 Tote, 2300 Verletzte und 10.000 Festnahmen.

    Gut zehn Jahre nach den gewalttätigen Krawallen wagt sich erstmals ein Regisseur an die Thematik. Ron Shelton, bisher vor allem durch Sportstreifen ("White Men Can't Jump") bekannt, greift die Unruhen auf und erzählt vor diesem Hintergrund in "Dark Blue" die nicht minder düstere Geschichte eines korrupten Polizeiapparats. Protagonist ist Sergeant Eldon Perrey (Kurt Russell), ein desillusionierter und rauer Polizist, vor dem sich selbst sein Sohn fürchtet.

    Polizeijustiz: Schwerverbrecher sind zum Abschuss freigegeben

    April 1992: Auf allen Fernsehkanälen laufen die Bilder des Rodney-King-Prozesses. Zur gleichen Zeit überfallen zwei Männer einen koreanischen Laden und erschießen dabei kaltblütig drei Menschen. Elite-Cop Perrey und sein junger Kollege Bobby Keough (Scott Speedman) sollen den Mord aufklären. Der Polizei-Veteran verschafft sich seine Informationen auf die bewährte, harte Methode und kommt zu dem Schluss, dass zwei stadtbekannte Gangster den mörderischen Überfall verübt haben. Doch sein Chef Jack Van Meter (Brendan Gleeson) untersagt ihm, das Duo, das für ihn arbeitet, festzunehmen.

    Stattdessen soll der Fall "schnell und sauber", nach nicht selten praktizierter Methode, gelöst werden: Schwerverbrecher aus der Kartei werden zu Alibitätern und bei einer Hausdurchsuchung liquidiert. Perrey zögert kurz, fügt sich dann aber dem Wunsch des Vorgesetzten - er und Bobby erschießen die Männer. Doch den frisch-gebackenen Cop quälen bald Gewissensbisse. Und auch in dem bisher immer loyalen Perrey erwacht Misstrauen gegenüber dem Chef. Perrey und Bob machen sich auf den Weg zum Unterschlupf der eigentlichen Verbrecher. Gleichzeitig wird der Freispruch im Rodney-King-Prozess bekannt - und in der Stadt beginnt es zu brodeln.

    Russels bislang anspruchsvollste Rolle

    Russel spielt als Sergeant Perrey die vielleicht anspruchsvollste Rolle seiner Schauspielkarriere. Der 52-Jährige überzeugt als Produkt eines korrupten Systems, dessen Opfer und bester Mann er zugleich ist. In den vier Tagen, in denen die Zuschauer Perrey begleiten, findet er heraus, wie tief er abgerutscht ist und was er verloren hat. Perrey schockt, weckt aber gleichzeitig Mitgefühl.

    Ein Händchen für die Darsteller beweist Shelton auch bei der Besetzung von Brendan Gleeson ("Escape from L.A.", "Vanilla Sky") als glatten und korrupten Vorgesetzten, und Ving Rhames ("Pulp Fiction", "Mission Impossible"), als idealistischen Polizeichef, der Mühe hat, seine eigenen Maßstäbe zu erfüllen.

    Schwächen in der Inszenierung

    Die Inszenierung hat jedoch einige Schwächen. Die derben Dialoge der Cops, die schon zum Frühstück "Whisky on the rocks" trinken, bedienen gängige Klischees. Subtile, leise Szenen, wie die zwischen Perrey und seiner alkoholkranken Frau Sally, die den Verfall des Polizisten und seiner Lebenszusammenhänge schon im ersten Drittel des Filmes deutlich macht, sind selten. Und selbst die eigentlich gut angelegte Figur Perrey verliert, wenn der hartgesottene Cop seine Beförderung zum Leutnant für eine moralische Standpauke nutzt - just in dem Moment, als die Rassenunruhen ausbrechen.

    Svenja Kühnel, ddp

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