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  • Kritik: Bizarre Geschichte über Abgründe der Natur

    Es ist schon außergewöhnlich, dass zwei Filme eines Regisseurs innerhalb von drei Wochen in die deutschen Kinos kommen, und dazu in verkehrter Reihenfolge. Mehr noch, hätte der Franzose Michel Gondry nicht die umjubelte Liebestragikomödie «Vergiss mein nicht!» mit Jim Carrey und Kate Winslet gedreht, hätte sein zwei Jahre alter Erstling «Human Nature» vermutlich nie den Weg auf die deutschen Leinwände gefunden. Vorspann

    Und das obwohl bei beiden mit Charlie Kaufman der wohl angesagteste intellektuelle Drehbuchautor Hollywoods das Script lieferte.

    «Human Nature» war Kaufmans zweite Kino-Verfilmung nach dem gefeierten Film «Being John Malkovich», in dem ein Gang in den Kopf des berühmten Schauspielers entdeckt wird. Die Kritiken fielen verhalten aus: Vermutlich erwarteten die Experten etwas, das in der Machart an das Debüt anknüpt, und waren enttäuscht als der Film anders ausfiel.

    Obwohl es vielleicht das bisher geradlinigste Script von Kaufman ist, so richtig gewöhnlich ist in dem Film eigentlich nichts. Der von Tim Robbins gespielte Nathan, als Kind einem gnadenlosen Erziehungsdruck seiner Eltern, vor allem seiner Mutter, ausgesetzt, geht als Wissenschaftler auf einen Kreuzzug für die Zivilisation - und definiert sie für sich vor allem in Tischmanieren. Er versucht, Mäusen kultiviertes Verhalten beizubringen - nimmt das Tier die falsche Gabel zum Salat, bekommt es einen Stromschlag verpasst.

    Zwei Außenseiter mit ungestilltem Liebesbedürfnis

    Lila (Patricia Arquette) ist auf den ersten Blick sein absolutes Gegenteil. Nachdem bei ihr im Teenageralter ein enormer Haarwuchs am ganzen Körper beginnt, flüchtet sie in den Wald, lebt dort ohne Kleidung und schreibt erfolgreiche Bücher über die Wildnis. Irgendwann treibt die Sehnsucht nach Liebe sie jedoch zurück zu den Menschen. Die Kosmetikerin, die ihr Stück um Stück die unzähligen Haare zu entfernen versucht, verkuppelt sie schließlich mit Nathan. Eine Beziehung zweier Außenseiter mit ungestilltem Liebesbedürfnis beginnt, was ein extremes explosives Potenzial in sich birgt.

    Und dann ist da auch noch Puff, ein Mensch, dessen Vater glaubte, ein Affe zu sein und seinen Sohn in Affenmanier im Wald aufzog. Mit Rhys Ifans, der vielen als Hugh Grants abgedrehter Mitbewohner in «Notting Hill» in Erinnerung geblieben sein dürfte, wurde eine perfekte Besetzung für die Rolle gefunden. Das Paar entdeckt den Affenmenschen bei einem Waldausflug und Nathan glaubt, seine größte Herausforderung gefunden zu haben: Anstelle von Mäusen einen echten Menschen zu zivilisieren. Als am schwersten zu bändigen erweist sich dabei ein ungeheuerer Sextrieb des Naturmenschen.

    Ironische Fabel über das Tier im Menschen und den Menschen im Tier

    Der Film lässt einen fragen, was die menschliche Natur nun eigentlich ist. Das Streben nach Zivilisation oder nach Freiheit von ihr? Hunger nach Glück, Sex, Macht? Ist Verlogenheit typisch? Gondry drehte eine verspielte, ironische Fabel über das Tier im Menschen und den Menschen im Tier mit der Erkenntnis, dass keiner der beiden besser als der andere ist. Er habe vor allem Zynismus und Sarkasmus vermeiden und stattdessen etwas von seiner eigenen Naivität vermitteln wollen, sagte der Regisseur, der bis dahin vor allem für seine Musikvideos für Björk oder Radiohead sowie ausgefallene Werbeclips zum Beispiel für Levis und Smirnoff bekannt war.

    Neben dem Talent für beeindruckende Bilder bewies der Franzose dabei auch den Sinn für abseitige Situationskomik. Zum Beispiel mit der Persiflage der zeitlosen Szene aus Disneys Schneewittchen, nur dass diesmal eine nur mit ihrem spärlichen Fell bekleidete Patricia Arquette singend durch den Wald wandert und von Häschen, Eichhörnchen und anderen Tieren begrüßt wird. Nicht genug, dass sie stundenlang nackt im Wald herumlaufen musste und dabei gelegentlich ahnungslose Spaziergänger verschreckte. «Da war auch noch dieses eklige, juckende fremde Haar, das mir am ganzen Körper klebte», beschwerte sie sich später.

    dpa

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