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  • Kritik: Bizarr und unglaubwürdig

    Nicole Kidman (37) ist eine wunderbare Schauspielerin: Blond und schön, äußerlich kühl bis zurückhaltend, doch sie spielt ihre Rollen stets beherzt und mit vollem Einsatz. Selbst dann, wenn diese bizarr und unglaubwürdig daherkommen, wie in «Birth» von Jonathan Glazer über die Wiedergeburt ihres toten Ehemannes im Leib eines 10-jährigen Jungen.

    Der Film mutet dem Zuschauer einiges zu, zähe Längen sind dabei nur ein Ärgernis. Doch gerade hier kann sich eine Schauspielerin von Format so richtig beweisen. Nicole Kidman rettet den Film - wie sie das schafft, ist schon eine Leistung.

    Nach seinem überraschenden Erstling «Sexy Beast» wollte Glazer wohl etwas Besonderes präsentieren. Mystery, Familiendrama oder Romanze? Oder eine Mischung von allem? Bis zum Schluss kann der Zuschauer nur grübeln, was «Birth» eigentlich sein soll. Der Inhalt: Die schöne Anna (Kidman), New Yorkerin aus besseren Kreisen und Witwe, entschließt sich nach zehn Jahren Trauer, wieder zu heiraten. Da schleicht sich ein Knirps in ihr Leben: Aufdringlich, zäh und ziemlich unangenehm verfolgt der Steppke die Witwe. Der Dreikäsehoch führt nichts Geringeres im Schilde, als die Geplagte vom erneuten Eheglück abzuhalten, und zur Begründung stammelt er nichts weiter als den schlichten und ergreifenden Satz: «Ich bin Sean, dein Ehemann.»

    Stellt sich so kreuzbrav und einfältig ein wiedergeborener Ehemann seiner Frau vor, nach zehn Jahren Abwesenheit, während derer er sich offenbar still im Jenseits verborgen hielt? Kann der Zuschauer sich das so wortkarg vorstellen, darf man das dem Zuschauer so zumuten? «Man fragt sich, wie Glazer da elegant wieder herauskommen will», meinte ein Kritiker beim Filmfestival von Venedig, wo der Film gezeigt wurde. Antwort: «Er schafft es nicht.» Am Lido wurde der Streifen ausgebuht, was bei kommerziellen US-Produktionen mit großen Namen dort allerdings des öfteren vorkommt.

    Während die Familie der Witwe nur staunt und stutzt, der Ehemann in spe (Danny Huston) in Rage gerät und dem Bengel die Flausen austreiben will, erfährt die Witwe eine eigenartige Wandlung. Nach anfänglicher Ablehnung schenkt sie dem Wicht immer mehr Gehör; ohne es recht zu wollen, kommt sie ihm immer näher. Sie weiß selbst nicht, was sie glauben soll und wie ihr geschieht, doch am Ende hat sie sich geradezu verliebt in das Bürschchen - unglaublich, aber war. Das alles ist grandios gespielt - aber glaubwürdiger wird es für den Zuschauer trotzdem nicht.

    Die stärkste Szene im ganzen Film ist die, in der der kleine Kerl zur Schönen in die Badewanne steigt. Ziemlich verwirrt schaut die Kidman den Bub an, als er ihr im wohligen Nass gegenüber sitzt. «Was tust Du?», fragt sie das Milchgesicht, das sie mit großen Kulleraugen anstarrt. Antwort: «Ich schaue meine Ehefrau an.» Soll der Zuschauer da lachen?

    dpa

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