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  • Kritik: Bittersüße Dreiecksromanze

    Das Erfolgsrezept war eigentlich todsicher. Der Roman stammt von Pulitzerpreisträger Michael Cunningham («The Hours»), der auch das Drehbuch schrieb, Shooting-Star Colin Farrell spielt die Hauptrolle, Regisseur Michael Mayer gilt als erfahrener Broadway-Profi, und dennoch enttäuscht das Ergebnis.

    Den größten Wirbel in der Boulevardpresse verursachte im Vorfeld die Frage, ob in einer Nacktszene das beste Stück des «Womanizer» Farrell zu sehen ist. Enttäuschung auch in dieser Hinsicht.

    «A Home at the End of the World», so der Originaltitel, will eine unkonventionelle Dreiecksgeschichte erzählen, verheddert sich aber viel zu oft in Klischees und Plattheiten. Der banale deutsche Verleihtitel erscheint da noch als das kleinste Übel.

    Es geht los Ende der 60er Jahre mit jeder Menge Drogen. Jefferson Airplane dröhnen aus den Boxen, alle sind locker drauf, nur der 7- jährige Bobby Morrow hat ein Problem. Er verliert seinen älteren, von ihm vergötterten Bruder durch einen grässlichen Unfall. Zum Glück lernt der arme Bobby Jonathan kennen. Der Beginn einer wundervollen Freundschaft. Wenig später sterben auch Bobbys Eltern. Wie gut, dass Jonathan und seine Familie da sind.

    Die unheimlich verständnisvolle Mutter (Sissy Spacek), die auch schon mal am Joint zieht, bringt dem Waisenknaben vorzugsweise nachts das Backen bei, und natürlich wird Bobby (Colin Farrell) später Bäcker. So einfach ist das. Ein Plot von entwaffnender Schlichtheit. So kleine Drehbuch-Brötchen darf ein Michael Cunningham einfach nicht abliefern.

    Colin Farrell läuft als leicht unterbelichtete Frohnatur mit schulterlangen Haaren durch dieses unbedarften Film - eine schauspielerische Offenbarung ist das nicht, und die weiblichen Fans dürften bei dieser Vorstellung auch nicht in Verzückung geraten. Dallas Roberts gibt den Kumpel Jonathan, ein schüchterner, sensibler, schwuler Künstlertyp, der nachts mit seinem alten Jugendfreund Bobby auf dem Balkon eng umschlungen tanzt.

    Da sind wir im vergnügungssüchtigen New York der 80er Jahre angekommen. Jonathan wohnt im East Village mit der flippigen Claire (Robin Wright Penn) zusammen, der tumbe Bobby kommt dazu, nur so etwas wie «Jules und Jim» auf amerikanisch wird diese «Menage à trois» dann doch nicht. Claire ist irgendwann schwanger, die vierköpfige Patchwork-Familie zieht aufs Land, natürlich nach Woodstock. Und wenn sie nicht gestorben sind. ..

    Dieses schwer problembewusste, politisch überkorrekte Drama lässt einfach nichts aus. Ein Möchtegern-Independentfilm, der durchaus auch seine berührenden Momente hat, insgesamt aber viel zu schlicht gestrickt ist.

    dpa

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