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  • Kritik: Bissige PolitSatire mit Marionetten

    «Team America» ist mit Sicherheit der erste Film, in dem Marionetten auf großer Kinoleinwand Sex haben. Oder sich im Suff die Seele aus dem Leib kotzen. Aber da der Streifen von den Machern der ebenso kultigen wie tabulosen Zeichentrick-Serie «South Park» kommt, war so etwas zu erwarten: die durchgeknallte Puppenkiste.

    «Team America: World Police» ist eine bissige, respektlose und lustige Satire, die alles und jeden verreißt: die Weltpolizei-Ambitionen der USA, deren liberale Kritiker wie Michael Moore und Hollywood-Klischees. Und: In Zeiten der Computeranimation, die alles möglich macht, wurde der Film auf altmodische Art aufwendig mit echten Marionetten gedreht.

    Das «Team America» ist die amerikanische Weltpolizei. Aus ihrem Hauptquartier hinter den in Stein gemeißelten Präsidentenköpfen von Mount Rushmore gehen sie auf Terroristenjagd in aller Welt, mit blauäugiger imperialer Selbstverständlichkeit. Während in den «South Park»-Folgen noch der irakische Diktator Saddam Hussein gelegentlich als Bösewicht gastierte, zieht diesmal der nordkoreanische Staatschef Kim Jong Il die Strippen des Terrors. Und auch liberale Hollywood- Schauspieler wie Sean Penn, Tim Robbins oder Helen Hunt kommen als Terror-Unterstützer ziemlich schlecht weg. Alle Schauspieler-Puppen wurden ohne Erlaubnis eingesetzt. Nur Penn schrieb einen empörten offenen Brief.

    Während die Macher des Films, Tray Parker (34) und Matt Stone (33), die destruktive Energie pubertierender Teenager aufweisen, die mit Marionetten obszöne Dinge machen und sie ständig das «F-Wort» aus vier Buchstaben gebrauchen lassen, haben sie durchaus ernste Fragen bewegt. «Wir wollten uns damit auseinander setzen, wieso so viele Leute auf der Welt Amerika hassen, während wir es eigentlich ganz gut finden», sagt Parker. Auf die Frage, ob sie selbst zur Rechten mit den Befürwortern der harten Außenpolitik von US-Präsident George W. Bush gehörten oder zur Linken mit seinen Kritikern, meint er: «Wir wissen es selber nicht. Wir machen uns über alle lustig.»

    Technisch war der Film eine echte Herausforderung. Jede Marionette hatte bis zu zehn Fäden, in großen Szenen waren 45 Puppenspieler gleichzeitig auf einem sechs Meter hohen Gerüst in einem komplexen Ballett vereint. Ihre Marionetten mussten laufen, kämpfen, schießen, küssen. Dabei trieben den Puppenspielern schon die scheinbar einfachsten Dinge den Schweiß auf die Stirn: Allein die harmlose Szene, in der die Helden einen Drink nehmen, wurde mehr als 20 Stunden lang gedreht. Dafür kommt der altmodische Charme der Augsburger Puppenkiste auf, wenn die Marionetten ungelenk in ein Auto plumpsen.

    Praktisch alles war ein Problem. «Spider-Man 2»- und «Matrix»- Kameramann Bill Pope musste sich immer wieder etwas einfallen lassen, weil die Kulisse nie von oben oder hinten beleuchtet werden durfte, damit die Schatten der Puppenspieler oder der Fäden nicht ins Bild kommen. Dutzende Kostüme mussten neu genäht werden - und zwar mit äußerster Sorgfalt, da auf der großen Leinwand jede schiefe Naht sichtbar wäre. Zum Teil 20 mal 30 Meter große Modelle von Paris, der Pyramiden in Kairo oder des Panama-Kanals wurden gebaut.

    In die Köpfe der knapp 50 Zentimeter großen Puppen waren neun Mini-Motoren eingebaut, mit denen ihre Mimik gesteuert wurde. Die Fäden wurden in den meisten Szenen mit Hilfe des Computers weggelöscht, in einigen aber bewusst nicht: «Wir waren so stolz, dass wir den Beweis drinlassen wollten, dass wir es tatsächlich mit echten Marionetten geschafft haben», sagt Stone.

    Da ihr Filmstudio mit der rund 30 Millionen Dollar teuren Puppen- Action auch Geld verdienen wollte, mussten Parker und Stone ihr Werk entschärfen, damit nach US-Regeln überhaupt Zuschauer unter 17 Jahren zugelassen wurden. Unter anderem die Sex-Szene sei nun mit 49 Sekunden nur noch etwa halb so lang wie im Original, beschwerten sich die Filmemacher. Auf DVD soll es aber die ungekürzte Version geben. Eigentlich wollten sie «The Day After Tomorrow» verfilmen, «das perfekte Marionetten-Drehbuch», sagen Parker und Stone in ihrer spöttischen Art. Aber da hatte sich schon Roland Emmerich die Rechte gesichert.

    dpa

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