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  • Kritik: Bissige Komödie der Eitelkeiten

    Ihr Name ist eigentlich ein Witz, denn eine laszive Nymphe ist die 20-jährige, etwas pummelige Lolita (Marilou Berry) nun wahrlich nicht. Die junge Frau, die so gerne geliebt werden würde, hat es höllisch schwer.

    Ihr Name ist eigentlich ein Witz, denn eine laszive Nymphe ist die 20-jährige, etwas pummelige Lolita (Marilou Berry) nun wahrlich nicht. Die junge Frau, die so gerne geliebt werden würde, hat es höllisch schwer. Ihr Vater, der egozentrische Pariser Schriftsteller Etienne Cassard (Jean-Pierre Bacri), lässt keine Gelegenheit aus, seine Tochter zu demütigen. Aber kein falsches Mitleid - wenn es darauf ankommt, erweist sich Lolita als ebenso fieses Luder wie ihr Vater.

    Die französische Regisseurin, Drehbuchautorin und Schauspielerin Agnès Jaoui («Das Leben ist ein Chanson», «Lust auf Anderes») nimmt in ihrer wunderbaren Komödie der Eitelkeiten, die bei den Filmfestspielen in Cannes mit dem Preis für das Beste Drehbuch ausgezeichnet wurde, keine falsche Rücksichten. In «Schau mich an!» bekommt jeder sein Fett ab - alle Figuren zappeln und strampeln wortreich und sehr komisch in einem feingesponnenen Netz von Abhängigkeiten.

    Lolita ist nicht nur Mauerblümchen, sondern auch eine begabte, launische Sängerin, die den jungen Journalisten Sébastien (Keine Bouhiza) nach Belieben ausnützt. Ihre Musiklehrerin Sylvia (Agnès Jaoui) zeigt sich einerseits genervt von der Schülerin, fördert aber auch Lolitas Talent. Sylvias Ehemann Pierre (Laurent Grevill) zweifelt an seiner Berufung zum Schriftsteller, bis er Zugang zum Kreis von Lolitas Vater bekommt. Aus dem rebellischen Geist wird in Windeseile ein gnadenloser Karrierist. Etienne schließlich, der gefeierte Autor und Verleger, thront in maßlosem Egoismus über allen. Er hält die Fäden dieses Spieles scheinbar in der Hand - aber dann entpuppt sich auch dieser Großintellektuelle als armseliger Selbstdarsteller.

    Agnès Jaoui demaskiert mit leichter Hand die opportunistischen Winkelzüge und Eifersüchteleien dieser selbstverliebten Clique, aber sie denunziert keine ihrer Figuren. Ihr satirisch zugespitzter, vor Esprit sprühender Blick auf den Pariser Kulturbetrieb kommt mit geschliffener Rhetorik und eleganter Boshaftigkeit daher. Die durchtriebene Musiklehrerin Sylvia meint in einer Szene ganz offenherzig: «Nichts ist ein Drama». Das stimmt schon, aber jede Bemerkung oder Geste in diesem messerscharfen Film kann tödlich sein.

    Am Ende fahren sie alle hinaus in die Provinz, in einer Dorfkirche gibt es ein Konzert, und Lolita absolviert einen bravourösen Auftritt als Sängerin. Die weltentrückten Choräle und Liebeslieder von Monteverdi und Mozart bilden dabei einen schönen Kontrast zum verbalen Dauerbeschuss des Alltags. Nach dem Konzert radelt Lolita ganz erlöst durch die Nacht, ihrem lange verschmähten Sébastien hinterher. Endlich glücklich.

    dpa

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