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  • Kritik: Bissig und böse - die Hölle eines Ehelebens

    Anna und Walter leben in der Welt des schönen Scheins. Sie sind ein Paar wie aus einem Lifestyle-Katalog der Start- Up-Generation, jung, dynamisch und gut situiert. Wenn Anna abends die Wohnungstür aufschließt, empfängt sie eine Designerwohnung in einer edel sanierten Fabriketage.

    Alles ist chic, hip und dem Zeitgeschmack entsprechend auch ein wenig kühl. Doch hinter dieser Fassade tun sich ungeahnte Abgründe auf. Schon lange hat kein deutscher Film die Hölle eines Ehelebens so gnadenlos in Szene gesetzt wie Alexander Schüler in seinem Erstlingswerk «Rendezvous».

    Der Film wirkt auf den ersten Blick wie ein Theaterstück. Anna und Walters Wohnung wird zur Bühne, auf der das Wort mehr zählt als das Bild. Schon in den ersten Dialogen zwischen Anna (Lisa Martinek) und dem erfolgreichen Banker Walter (Sven Walser) wird die Kühle und Härte ihrer Beziehung deutlich, auch wenn es um alltägliche Paargespräche geht. Anna will ein Kind. Walter will kein Kind. Er will ein Haus. Wenn Walter sich nicht verstanden fühlt, fragt er auch schon einmal: «Hast Du Krebs oder bist Du fremd gegangen?»

    Während sich beim Gebahren des Machtmenschen Walter manchem Kinozuschauer schon die Faust in der Tasche ballt, nimmt die Handlung auf der Leinwand immer wieder unerwartete Wendungen. Ein zweites Paar sitzt unverhofft in der Designerwohnung, der traurige Jost (Tim Lang) und die hysterische Yvonne (Annika Mauer). Die Konstellation ähnelt Edward Albees Psycho-Beziehungsdrama «Wer hat Angst vor Virginia Woolf», das 1965 mit Liz Taylor und Richard Burton meisterhaft verfilmt wurde. Kritiker fühlen sich aber auch an Sartres «Geschlossene Gesellschaft» erinnert.

    Das moderne Beziehungsdrama «Rendezvous» wirkt böse, beklemmend und unerbittlich. Es gibt wenig zu lachen. Die Zuschauer ahnen bald, dass mindestens zwei Partner auf der Film-Bühne ein Bäumchen-Wechsel- Dich-Verhältnis pflegen. Es geht nicht um die Frage von Wissen oder Schuld, es geht um Intrigen, Verletzungen, Machtspiele, Rachegelüste, Schwäche - und Opfer. Unbarmherzig hält die Kamera alle Regungen der Schauspieler, jede noch so absurde Wende des Kammerspiels fest. «Es soll schmerzhaft sein», sagt Regisseur Alexander Schüler über seinen Film. «Wir wollen das Disparate, das verzweifelt Einsame zeigen.»

    «Rendezvous» ist sehr gut gespielt, die Rollen sind glaubhaft. Das mag auch daran liegen, dass das Filmteam eng zusammengearbeitet hat. Schauspieler Tim Lang hat unter dem Pseudonym Bob L. Sack das Drehbuch geschrieben. Sven Walser spielt nicht nur den Bösewicht. Er hat den Film - bewusst ohne Förderung und Fremdfinanzierung - in 15 Tagen und mit einem kleinen Budget von 46 000 Euro produziert. Gefilmt wurde mit einer Mini-Handkamera. In seiner Dogma-Manier wirkt der Film auch wie ein heftiges Aufbegehren gegen das teure Illusionskino und seine netten Happy-End-Geschichten.

    Bei «Rendezvous» gibt es natürlich kein Happy End. Schüler und sein Team spielen 95 Minuten lang lustvoll mit Grenzüberschreitungen und den Vorstellungen von Würde, Respekt, Ethik oder Moral. Zynikern wird diese Form des Filmens sicher gut gefallen.

    dpa

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