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  • Kritik: Bille August und sein Traum:

    Der dänische Regisseur Bille August ("Das Geisterhaus", "Fräulein Smillas Gespür für Schnee") hat sich einen Traum erfüllt: Er verfilmte den Roman "Jerusalem" der schwedischen Nobelpreisträgerin Selma Lagerlöf, die Geschichte um eine schicksalhafte Liebe.

    Der thematische Dauerbrenner Liebe, Leid und Schuld steht hier in Beziehung zur Stimmung der Menschen vor der vergangenen Jahrhundertwende - einer Periode, in der sich viele aus Furcht vor Umbrüchen nach haltgebenden religiösen Werten sehnten.

    Wenn ein Regisseur die Möglichkeit hat, sein Lieblingsprojekt zu verwirklichen, scheint das größte Problem die gebotene Distanz und die Konzentration auf das Wesentliche zu sein. Wie kürzlich bei Gillian Armstrongs "Oscar und Lucinda" fehlt auch bei "Jerusalem" die Verknappung auf die zentralen Handlungsstränge. So kommt es, daß die erste Hälfte des 165 Minuten langen Films trotz der Kunstfertigkeiten des Kameramannes nur schwer erträglich ist.

    Wohin die mit Unbill und Bedeutungsschwangerem überfrachtete Geschichte steuert, bleibt lange unklar. Statt dessen eröffnet der Regisseur, der auch das Drehbuch schrieb, etliche Nebenschauplätze ohne weitere Relevanz. Ein Lichtblick dagegen ist die Besetzung der weiblichen Hauptrolle. Die schöne Norwegerin Maria Bonnevie besticht mit frischer Ausstrahlung und einer respektablen schauspielerischen Leistung als Gertrud.

    Die junge Frau wächst zusammen mit dem Nachbarssohn Ingmar (Ulf Friberg) auf, die beiden lieben sich. Hindernis für eine frühe Heirat ist das Versprechen, das Ingmar seinem Vater auf dessen Totenbett gab: Er muß die Verantwortung für den elterlichen Hof und als Führer der Gemeinde übernehmen.

    Ein plötzlich aufgetauchter Prediger namens Hellgum (Sven-Bertil Taube) macht Ingmar die Dörfler durch enthusiastische Reden abspenstig. Hellgums verheißungsvolle Lehren bewegen einen Großteil von ihnen dazu, ihr gesamtes bisheriges Leben aufzugeben und aus dem hohen Norden nach Jerusalem zu ziehen - unter ihnen auch Ingmars ältere Schwester Karin. Sein Elternhaus kann Ingmar nur dann in seinen Besitz bringen, wenn er die Tochter eines reichen Bauern heiratet. Ingmar sieht keine andere Möglichkeit, als seine Verpflichtungen über seine große Liebe zu stellen, willigt ein und gibt damit Gertrud auf, die sich ebenfalls dem Treck ins Gelobte Land anschließt. Doch trotz der Distanz wird die Kraft der Liebe dafür sorgen, daß Ingmars und Gertruds Schicksal verbunden bleiben.

    Ein geballtes Maß Seelenschwere dominiert dieses Melodram. Bleibt die Magie der Bilder und die Leistung des Regisseurs, uns an der Schwelle zum nächsten Jahrtausend für religöse Fanatiker zu sensibilisieren.

    Silvia Seipel, dpa

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