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  • Kritik: Bildgewaltige Action um wahre Kopfgeldjägerin

    Es war einmal ein hübsches Mädchen aus reicher Familie, das die Glitzerwelt von Beverly Hills hasste und nach Zwischenstationen als Model und Feuerwehrfrau ihre Berufung als Kopfgeldjägerin in Los Angeles fand.

    Diese Geschichte ist keine Erfindung eines Drehbuchautors, sondern das wahre Leben von Domino Harvey, Tochter eines bekannten Schauspielers und eines «Vogue»-Models. Mit Keira Knightley in der Hauptrolle strickte Regisseur Tony Scott im Film «Domino» eine wahnwitzige und bildgewaltige Action-Story, die echte Figuren in ein frei erfundenes Abenteuer stürzt.

    Der Film übertreibt natürlich maßlos. Die echte Domino hatte nicht die überirdische Schönheit einer Keira Knightley, die gelegentlich zu perfekt, zu sexy, zu niedlich für die Rolle wirkt. Domino blickte zwar tatsächlich auch mal mutig einem Dutzend Gewehrläufe ins Auge, befreite sich aber nie mit einem Strip-Tanz aus brenzliger Lage. Ihr Kopfgeldjäger-Team kam in Wirklichkeit nie in eine Reality-Show. Sie litt jahrelang unter Drogen-Problemen, was der Streifen großzügig ausblendet. Ebenso wie die Vorwürfe des Drogenhandels, weswegen ihr zuletzt eine Gefängnisstrafe drohte.

    Trotz aller erfundenen Wendungen soll Domino aber ganz glücklich gewesen sein, im Mittelpunkt eines Hollywood-Films zu stehen. Was sie tatsächlich über den fertigen Film zu sagen hätte, wird man allerdings nie erfahren: Domino Harvey starb wenige Monate vor der Premiere mit 35 Jahren an der Überdosis eines starken Schmerzmittels. Ob es ein Unfall oder Freitod war, weiß man nicht.

    Kopfgeldjäger in Amerika leben gefährlich. Sie spüren Kriminelle auf, die auf Kaution freigelassen wurden und geflohen sind, und bekommen dafür zehn Prozent der Summe. Bei gutem Geschäft habe Domino vielleicht 35 000 Dollar im Jahr verdient, sagt Scott, der sie seit zwölf Jahren kannte und für sie so etwas wie ein väterlicher Freund geworden sein soll. Viel wichtiger als das Geld seien für sie die Adrenalin-Schübe des großen Abenteuers gewesen - und wohl auch die Drogen, die man als Beute häufig mitnehmen konnte. «Kopf, du lebst, Zahl, du stirbst», habe ihr Motto gelautet, das sich wie ein roter Faden durch den ganzen Film zieht.

    Um den Alltag der Kopfgeldjäger herum erfand «Donnie Darko»-Autor Richard Kelly eine verzwickte Geschichte, in der sich verschwundene zehn Millionen Dollar, Betrug, Verrat und Brutalität zu einem Knoten verstricken, der nach Hollywood-Manier nur noch mit Maschinengewehr-Salven und viel Sprengstoff zu lösen ist. Die wahre Tragik eines Mädchens, dessen Leben im Alter von vier Jahren für immer aus dem Gleichgewicht geriet, weil ihr Vater Laurence Harvey (das Original von «The Manchurian Candidate») an Krebs starb, geht so in der Routine eines Action-Films unter.

    Ein Kinoerlebnis ist «Domino» aber allemal dank der überbordenden Bilderflut, mit der Tony Scott («Top Gun», «Staatsfeind Nr. 1») die Geschichte erzählt. Mal grelle, mal ausgewaschene Farben, viel Kamerabewegung, Zeitraffer und schnelle Schnitte, nahezu ständige laute Musik und durchgestylte Bilder - es scheint gelegentlich, als sehe man einen überdimensionalen Videoclip. Man könnte «Domino» als Mischung aus dem makabren Humor von «Pulp Fiction», dem Gewaltrausch von «Kill Bill» und der verspielt-verschachtelten Erzählart von «Ocean's Twelve» beschreiben. Die Liste der Schauspieler ist beeindruckend: Selbst kleine Rollen sind mit Stars wie Christopher Walken, Lucy Liu, Mena Suvari oder dem Sänger Tom Waits besetzt. Und der unlängst noch abgeschriebene Mickey Rourke besiegelt sein Comeback als raubeiniger Kopfgeldjäger-Mentor Ed.

    Scott ist ein besessener Perfektionist, der für den Film mit echten Kopfgeldjägern auf Einsatz ging, der der Glaubwürdigkeit wegen tatsächliche Gangmitglieder für einige Szenen engagierte und vor allem immer und überall Bilder sammelt, die ihn beeindrucken und irgendwann einmal nützlich sein könnten. Es ist, als würde er bei jedem Film ein ultimatives visuelles Meisterwerk erschaffen wollen, auch wenn dabei mancher Zuschauer in der Bilderflut zu ertrinken droht. Das letzte Bild des Films ist aber ungekünstelt: Da lächelt die echte Domino Harvey in die Kamera, während neben ihr eine Limousine zu Bruch geht.

    dpa

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