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  • Kritik: Bilderrausch aus den Tiefen der Weltmeere

    In atemberaubenden Bildern brachte die BBC-Serie "The Blue Planet" Unterwasserszenen in unsere Wohnzimmer. Nun gibt es Gelegenheit, die schönsten dieser grandiosen Aufnahmen überlebensgroß zu bewundern.

    "Deep Blue" ist ein Werk der Superlative: Mit bis zu 20 Kamerateams waren die Dokumentarfilmer Alastair Fothergill und Andy Byatt fünf Jahre lang immer wieder an über 200 Drehorten auf der ganzen Welt unterwegs und drangen mit Mini-U-Booten bis in 5000 Meter Tiefe vor.

    Magisch schön, aber auch rau und grausam

    "Es war wirklich unglaublich schwierig, diesen Film zu machen", erzählt Byatt, "200 Tage lang habe ich einfach überhaupt nichts vor die Linse gekriegt. Gerade mal fünf Minuten hatte ich nach 200 Drehtagen." Aus insgesamt 7000 Stunden Filmmaterial entstand schließlich eine 90-minütige Dokumentation, die sich mühelos in Meisterwerke des dokumentarischen Tierfilms wie "Mikrokosmos" und "Nomaden der Lüfte" einreiht. Ein Film für Kinder ist "Deep Blue" allerdings nicht - die authentischen Bilder sind magisch schön, an einigen Stellen aber auch rau und grausam.

    Soldatenkrabben im Samba-Schritt und Killerwale auf Jagd

    Von Beginn an, wenn sich die Wolken teilen und den Blick frei geben auf das scheinbar unendliche Blau des Meeres, entfalten die Bilder einen Sog, dem man sich in keiner Minute entziehen kann. Egal, wie viele Meeresreportagen man schon betrachtet haben mag: "Deep Blue" zeigt das Leben und Leiden der Unterwasserwesen, wie wir es noch nie gesehen haben. Tausende Soldatenkrabben, die im Zeitraffer zu Samba-Rhythmen am Strand umhereilen - und bald darauf Killerwale, die sechs Stunden lang eine Grauwalmutter jagen und deren Junges töten.

    Bilder, die faszinieren und ehrfürchtig machen

    Bilder, die faszinieren und ehrfürchtig machen. Der Zuschauer rast neben Delfinen durch die Gischt, segelt zwischen Albatrossen und schießt mit tauchenden Pinguinen aus dem Wasser auf ihren eisigen Rastplatz hinaus. Er lauert mit hungrigen Polarbären an einem Wasserloch, um kurz darauf den Blickwinkel zu wechseln und zwischen den schon von Krallenspuren gezeichneten Belugawalen um die lebenswichtige Öffnung im Eis zu kreisen. Furios und betäubend grausam auch die Bilder von Killerwalen, die ihre Körper auf den Strand wuchten, um kleine Seehunde zu fangen. Und ergreifend der Blick der Davongekommenen, die zurückschauen auf ihren Kameraden, der von einem Wal durch die Luft geschleudert wird.

    Mehr Menschen im All als Taucher im Ozean

    Zu den gewaltigsten Szenen gehört, wie sich Sturmtaucher in einen zum Wirbel verschmolzenen Fischschwarm stürzen, während sich von unten Delfine und riesige Tunfische an der Jagd auf die Kugel silbrig glänzender Sardinen beteiligen. Brillant auch die Reise in Tiefen, in denen das einzige Licht von den Wesen stammt, die dort leben. "Es sind mehr Menschen in den Weltraum geflogen, als in die Tiefen unserer Ozeane zu tauchen", sagt Regisseur Fothergill. "Wir haben tatsächlich zwei völlig unbekannte Spezies entdeckt. Und ich meine keine winzig kleinen Lebewesen, sondern eine riesige Quallenart und einen unbekannten Octopus."

    "Deep Blue" ist ein Gesamtkunstwerk, ein visuell und akustisch beeindruckendes Leinwanderlebnis. Anders als die mit drei "Goldenen Pandas", dem Oscar der Tierfilmer, ausgezeichnete TV-Serie verzichtet der Film weitgehend auf Informationen, er vertraut der Magie vertonter Bilder. Die meisten Sequenzen sind mit Musik des Komponisten George Fenton unterlegt, die von den Berliner Philharmonikern eingespielt wurde. Bei so mancher Szene mag der Zuschauer deshalb erklärende Worte vermissen. Vielleicht aber ist gerade das der Anreiz, sich nach dem Kinoerlebnis ein wenig genauer mit dem Teil unseres Planeten zu befassen, in dem alles Leben dieser Welt seinen Anfang nahm.

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