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  • Kritik: Bilder entstehen nur im Kopf

    Ein Dokumentarfilm im Kino hat schon Seltenheitswert. Aber das ist nicht das einzig Erstaunliche am Film "7 Brüder": Es gibt weder ein Drehbuch noch Kulissen, Requisiten oder Ortswechsel. Das Szenenbild besteht aus einem Stuhl in einem dunklen Raum - ganze 86 Minuten lang.

    Mit seinem Abschlussfilm ist dem jungen Regisseur Sebastian Winkels ein Paradoxon gelungen: Absolut sehenswertes Kino zu machen, ohne Bilder zu zeigen.

    Die Bilder entstehen vielmehr erst im Kopf des Zuschauers. Sieben Brüder, die zwischen 1929 und 1945 in Mülheim an der Ruhr geboren wurden, sitzen nacheinander auf dem Stuhl und erzählen: Von ihrer Kindheit und vom Krieg, vom Leben unter Brüdern, von den unterschiedlichen Wegen, die sie genommen haben. Die Brüder Hufschmidt, das sind Bäcker und Schauspieler, Manager und Lehrer, ein Musikprofessor und ein Kaufmann. In ihren Geschichten spiegelt sich deutsche Geschichte, nach und nach entsteht aus den Erzählungen die farbige Collage einer Familie, in die der Zuschauer eintaucht.

    Gedreht wurde an sieben Tagen - ein Tag für jeden Bruder

    Gedreht wurde an sieben Tagen - ein Tag für jeden Bruder. Anfangs zeigt Winkels, wie sich die Männer auf den Stuhl im dunklen Studio setzen und liefert damit eine erste Charakterisierung: Einer lächelt, einer hüstelt, einer schaut sich neugierig um. Erzähltalent haben alle sieben, die sich da ehrlich, ungekünstelt und unterhaltsam erinnern.

    Obwohl es keinerlei Vorgaben gab, landen schließlich alle Brüder bei ähnlichen Themen: Es geht um die Eltern, den Krieg, die Kindheit und das Erwachsenwerden. Winkels, selbst einer von fünf Brüdern, sortierte das Material im Nachhinein und überschrieb es mit Zwischentiteln, die dem Film Struktur geben.

    Erinnerungen fallen sehr unterschiedlich aus

    Die Erinnerungen der Brüder fallen sehr unterschiedlich aus. "Der Krieg war im wesentlichen im Volksempfänger. Er war Musik. Er war Liszt", sagt der Schauspieler Dieter Hufschmidt, während Hannes, der Älteste, nachdenklich wird: "Klaus und ich sind als Nazis erzogen worden, und das ist eine Sache, mit der ich heute noch nicht fertig bin." Erst als der Krieg vorbei war, lernten sich die Brüder, die in ganz Deutschland verstreut waren, richtig kennen, während die Mutter das letzte Kind, Jochen, zur Welt brachte.

    "Dat wär zwar nicht schlecht, noch ne Schwester - aber wen willze dafür weggeben?"

    Ruhig und ernst spricht Volker Hufschmidt davon, wie er als Top-Manager zehn Jahre vor seinem Ruhestand noch Theologie studierte und Pastor wurde. Eher schüchtern erzählt der Jüngste von seiner Studienzeit zwischen Theologie und Linksradikalismus. In unverkennbaren Ruhrpott-Dialekt verfällt Hannes, der vom Bäcker zum Sahne-Großhändler wurde. Er fasst das gute Verhältnis der Geschwister zusammen: "Wenn ma irgendwat nich klappt, haste immer die Familie im Hintergrund. Dat wär zwar nicht schlecht, noch ne Schwester - aber wen willze dafür weggeben?".

    Katrin Pinetzki, dpa

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