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  • Kritik: Bibelstunde aus der Traumfabrik

    Wenn die Weihnachtszeit naht, wird es gerne biblisch und besinnlich auf den westlichen Leinwänden. In diesem Jahr wird der Zeichentrickfilm "Der Prinz von Ägypten" diese Tradition weiterführen. Es ist eine so uralte wie vertraute Geschichte, die ab dem 17. Dezember erneut erzählt wird, nämlich die von jenem Moses, der das Volk der Hebräer aus der ägyptischen Sklaverei durchs Rote Meer in die Heimat führte.

    Nach bewährtem Muster werden hier Konflikte um Macht und Glauben, Freundschaft und Tod, den Triumph des Guten über das Böse durchgespielt. Das alles hat sich vielfach als kinotauglich erwiesen und folglich Jeffrey Katzenberg gereizt.

    Katzenberg ist jener mächtige Mann in Hollywood, der 1994 mit Steven Spielberg und David Geffen die Dreamworks-Studios gegründet hat, aus deren Fabrikation nun auch "Der Prinz von Ägypten" kommt. Die Idee zum Film stammt aus der Anfangszeit der Zusammenarbeit der drei Erfolgsspezialisten. Damals, so berichtet Katzenberg, fragte ihn Spielberg nach den Kriterien für einen guten Zeichentrickfilm und erhielt folgende Antwort: "Eine kraftvolle Allegorie, die alle nachvollziehen können; außergewöhnliche Situationen als Ausgangspunkt für emotionale Reisen; etwas Wunderbares über den menschlichen Geist..."

    Was folgte, waren vier Jahre harte Arbeit für mehr als 350 Künstler, Zeichner und Techniker aus über 35 Ländern. Zwei der berühmtesten Filmkomponisten Hollywoods, Stephen Schwartz und Hans Zimmer, setzten sich daran, die Musik und etliche Songs für Moses, Ramses und Co. mit (allzu) gängigen Melodien in Noten zu fassen. Damit nicht genug, wurden erstmals drei CD-Versionen zur Unterstützung eines Kinofilms auf den Markt gebracht: Der originale Soundtrack, eine im Stil der Country-Musik sowie ein Album Interpretationen von Pop- und Gospelstars. Das Projekt "Der Prinz von Ägypten" wird also in jeder Weise restlos ausgereizt.

    Doch gerade das Wissen darum und die äußerst gefallsüchtige Machart des Films machen diesen irgendwie ungenießbar. Es geht niemals darum, eine der großartigsten Geschichten der Menschheit neuerlich und auf originelle Weise zu erzählen, sondern "Der Prinz von Ägypten" ist das Produkt eines kommerziellen Profitstrebens, das selbst den Zauber religiöser Mythen nicht mehr respektiert, sondern nur noch deren Massenverwertbarkeit kalkuliert. Als Trickfilm zu sehen ist ein Ereignis mit Neuigkeiten wie die nahtlose Integration von zwei- und dreidimensionalen Elementen innerhalb einer Szene.

    Die Zeichner haben mit Hilfe ausgetüftelter Computersoftware Großartiges geleistet. Sie haben das monumentale Ägypten der Pharaone rekonstruiert und sich dabei vom Stil des französischen Illustrators Gustave Dore und des Impressionisten Claude Monet inspirieren lassen. Die Arbeit und das Können dieser anonym bleibenden Künstler ist bewundernswert, hätte aber eine weniger simpel gestrickte Geschichte verdient gehabt. Natürlich wird "Der Prinz von Ägypten" sein - insbesondere kindliches - Publikum finden. Dem wäre eine anspruchsvollere Bibellektion zu wünschen gewesen als Moses a la Dreamworks.

    Wolfgang Hübner , AP

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